"Ich bin sehr froh, dass Angela Merkel die Kanzlerin dieses Landes ist." Mit diesem Satz, gepostet auf Facebook, löste Sportkommentator Frank Buschmann eine Welle der Pöbelei aus. In einem wenig später online gestellten Video brachte er sein Unverständnis über die Reaktionen zum Ausdruck. Wir haben ihn dazu befragt.

Herr Buschmann, Sie haben gesagt, dass Sie froh sind, dass Angela Merkel unsere Bundeskanzlerin ist. Wieso denken Sie das?

Frank Buschmann: Naja, das habe ich ja gesagt, ganz klipp und klar. Weil ich glaube, dass es diesem Land im Moment sehr, sehr gut tut, dass da jemand mit kühlem Kopf sitzt und nicht irgendwelche populistischen Forderungen erfüllt, sondern wirklich das "Big Picture" hat und sieht, was vielleicht auch in ein, zwei Jahren in dieser Sache das Hauptthema sein wird. Ich bewundere ihre Ruhe und ich finde, dass sie Menschlichkeit walten lässt, ohne Harakiri, was ihr ja einige unterstellen.

Glauben Sie, dass die Reaktionen auf Ihren Post und die Pöbeleien und Attacken gegen Flüchtlinge ein Zeichen dafür sind, dass die Gesellschaft in Deutschland immer mehr verroht?

In meinen Augen sind es unzufriedene Menschen, die sich zu so einem Verhalten hinreißen lassen. Die absolute Minderheit in Deutschland, Gott sei Dank! Aber es sind mehr, als man sich wünschen darf und kann. Ich würde mir wünschen, dass diejenigen, die wirklich nachdenken und Menschlichkeit empfinden, auch einmal ihre Stimme erheben. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass es viel mehr Menschen gibt, die gewaltbereit sind und den vor Krieg und Bomben geflüchteten Menschen Angst einjagen. Ich kann und will nicht akzeptieren, dass es ein großer Teil unserer Bevölkerung ist. Ich kann es mir aber auch nicht vorstellen.

Das war auch der Grund, warum Sie vorgestern das Video gemacht haben? Um auch mal Stimme zu erheben, als Prominenter?

Man muss da schon ein wenig differenzieren. Ich habe erstmal einfach einen Post geschrieben. Weil ich wirklich beeindruckt war von dem, was Angela Merkel gesagt hat. Und in dieser speziellen Situation froh bin, dass diese Frau unsere Bundeskanzlerin ist. Mein Video habe ich dann gemacht, weil ich wirklich schockiert war, was unter meinem Post stand. Nach 30 Kommentaren, was ja wirklich wenig ist für meine Seiten, habe ich beschlossen, den Post herunterzunehmen. Und dann habe ich dieses Video gemacht. Ohne Taktiererei und ohne Kalkül. Ich habe mich schwarz geärgert. Ich war total schockiert, was Menschen da geschrieben haben.

Aber Sie haben damit gerechnet, dass Angela Merkel ein kontroverses Thema ist?

Es geht überhaupt nicht um Angela Merkel. Es geht um die Flüchtlingsthematik. Ich hätte sicherlich einen solchen Post nicht geschrieben, wenn es um die nächste Finanzierung einer Bankenkrise gegangen wäre. Es geht mir verdammt nochmal um Menschlichkeit und den Umgang mit dieser großen Krise. Und ich finde, das macht sie wirklich gut. Ich setze mich gerne mit Leuten hin und diskutiere darüber. Das ist nicht das Thema.

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Sondern, wie Menschen damit umgehen, was geschrieben wird und wie Menschen sich artikulieren. Es erinnert mich leider an das, was ich im Geschichtsunterricht und -studium gelernt habe und das möchte ich nie wieder erleben. Das heißt übrigens nicht, dass jeder, der die Flüchtlingspolitik in Deutschland kritisch sieht, ein Nazi ist. Aber manche outen sich einfach als Nazi. Das ist schlimm.

Es ist leicht, anonym im Internet zu hetzen. Merken Sie persönlich, dass die Pöbeleien auf Ihrer Seite zugenommen haben?

Generell nicht. Wenn man sich politisch äußert, wenn man dieses schwierige Thema Flüchtlingspolitik anfasst, dann muss man damit rechnen, dass es Gegenwind oder andere Meinungen gibt. Nochmal: Damit habe ich überhaupt kein Problem. Aber ich habe ein Problem damit, wenn Leute ausfallend werden.

Ich will diese Parolen nicht wiederholen, die dann teilweise kommen. Aber ich registriere nicht generell eine Verrohung im Internet mit anonymer Kritik. Ich kann das auf meiner Seite im Großen und Ganzen nicht feststellen. Bei mir denkt man das nur, weil ich auf Kritik eingehe, mich damit auseinander setze und manchmal auch rechtfertige.

Wie wollen Sie mit Trollen und Tätern in Zukunft auf Ihrer Facebook-Seite umgehen?

Da gibt es ein relativ einfaches Instrument. Wenn es überhand nimmt, dann blockiert man. Ich habe das in der Form, wie nach dieser Geschichte, noch nie gehabt. Wenn man über Sport diskutiert, dann kommen Beschimpfungen schon mal vor. Aber was da passiert ist, das war schon eine andere Veranstaltung. Da würde ich dann gnadenlos blockieren. Ich werde mir sicherlich nicht meinen Mund verbieten lassen, das steht fest.

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Jetzt plötzlich den Kopf in den Sand stecken, wird niemals gehen. Aber ich glaube, dass das nicht allzu häufig vorkommt. Ich bin kein politischer Journalist und haue jeden Tag fünf politische Themen raus. Aber in dem Moment, wo ich als Bürger dieses Landes etwas empfinde, dann schon. Davon lebt meine Seite, das ist meine Philosophie. Dass mein Video solche Wellen schlägt, hätte ich im Leben nicht gedacht.

Sind Sie froh, dass Sie sowohl den ersten Post verfasst und dann mit ihrem Statement ein Zeichen als Prominenter gesetzt haben?

Das würde bedingen, dass ich mir dabei was gedacht habe. Es war aber ein spontanes Empfinden. Das Gleiche gilt für das Video. Ich kann nicht von anderen bei Facebook populären Menschen verlangen, kollektiv die Stimme zu erheben und irgendwelche Botschaften loszulassen. Das muss jeder für sich entscheiden. Natürlich habe ich von vielen Menschen Feedback im Nachhinein bekommen.

Sie sagen, "gut, dass auch mal einer, der ein bisschen in der Öffentlichkeit steht, sowas sagt". Aber deshalb habe ich es nicht gemacht. Sondern, weil mir der Sinn danach stand. Das werde ich auch in Zukunft so handhaben, wenn es Themen sind, die mich extrem bewegen.