Es ist beschlossen: Deutschland wird bis zu 650 Soldaten nach Mali entsenden. Für die Bundeswehr ist das einer der gefährlichsten Einsätze. Der unruhige Norden Malis gilt als Rückzugsgebiet von Dschihadisten.

Verteidigungsministerin plant milliardenschwere Ausgaben.

Der Bundeswehreinsatzes im westafrikanischen Mali wird deutlich ausgeweitet. Der Bundestag stimmte am Donnerstag der Entsendung von bis zu 650 Soldaten in den gefährlichen Norden des Wüstenstaates mit großer Mehrheit zu.

502 Abgeordnete waren für die stärkere Teilnahme an der UN-Mission, 66 dagegen, sechs enthielten sich. Neben den Koalitionsfraktionen unterstützen auch die Grünen den Einsatz. Die Linke ist als einzige Bundestagsfraktion dagegen.

Die Soldaten sollen zur Durchsetzung eines Friedensabkommens zwischen Regierung und Rebellengruppen beitragen. Ihre Hauptaufgaben werden Aufklärung mit Drohnen und Spähfahrzeugen sowie der Objektschutz sein.

Die deutschen Soldaten werden in der früheren Rebellenhochburg Gao stationiert. Sie sollen die teils islamistischen Aufständischen aber nicht aktiv bekämpfen.

Rückzugsgebiet von Dschihadisten

Die Weiten der Sahara im Norden Malis sind seit Jahren ein Rückzugsgebiet für militante Separatisten und Islamisten. Dort sollen sich unter anderem Kämpfer verstecken, die Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) die Treue geschworen haben.

Die sunnitische Terrororganisation ist zuletzt wieder erstarkt und hat bei Anschlägen auf Hotel in Malis Hauptstadt Bamako und jüngst in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou rund 50 Menschen getötet.

Anfang Januar entführten die Extremisten in der nordmalischen Stadt Timbuktu auch eine schweizer Missionarin.

In der Region sind auch Kämpfer der Islamistengruppe Ansar Dine aktiv sowie Rebellen des Nomadenvolks der Tuareg, die seit Jahrzehnten nach mehr Autonomie streben.

Nach dem gewaltsamen Sturz des Regimes des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi in Libyen 2011 flossen viele Waffen über die porösen Grenzen der Sahara-Anrainerstaaten in die Region. 2012 übernahmen Islamisten und Tuareg-Rebellen für einige Monate in Nordmali die Macht.

Erst ein militärisches Eingreifen der früheren Kolonialmacht Frankreich im Januar 2013 ermöglichte die Rückeroberung.

Planmäßige Mangelwirtschaft, existenzielle Ausrüstungslücken, permanente Überbelastung von Soldaten: Der Wehrbeauftragte schlägt Alarm und fordert die Regierung zum Umsteuern auf. Doch bisher sind nur leichte Lenkbewegungen zu erkennen.

Im letzten Jahr haben die meisten Gruppen ein Friedensabkommen akzeptiert, dessen zähe Umsetzung von einer rund 12.000 Mann starken Friedensmission der Vereinten Nationen begleitet wird. Mindestens 64 Blauhelmsoldaten haben seit Beginn des Einsatzes im März 2013 das Leben verloren.

Nordmali ist etwa so groß wie Frankreich und kaum effektiv zu überwachen. Mali mit seinen 17 Millionen Einwohnern gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. (far/dpa)