Damaskus (dpa) - Die anvisierte Feuerpause im Syrienkrieg soll nicht für die Bekämpfung der radikalsunnitischen Organisationen Islamischer Staat (IS) und Al-Nusra-Front gelten.

IS und Al-Nusra haben vieles gemein: Sie sind aus dem Terrornetzwerk Al-Kaida hervorgegangen, sie streben einen Gottesstaat mit radikaler Auslegung der Scharia an - und sie stellen die stärksten Milizen im Kampf gegen die syrische Regierung. Was sie trennt, ist vor allem die Strategie.

- Der IS beherrscht im Norden und Osten Syriens sowie im Irak riesige Gebiete und hat dort auf derzeit 78 000 Quadratkilometern ein Kalifat ausgerufen. Er ging aus der Gruppe Tawhid und Dschihad hervor, die im Widerstand gegen die US-Invasion im Irak entstand. Ihrem "Kalifen Ibrahim" alias Abu Bakr al-Bagdadi haben auch Dschihad-Truppen in anderen Staaten Afrikas und Vorderasiens die Treue geschworen. Der IS hat einen totalitären Weltmachtanspruch und lässt auch Anschläge in Europa organisieren. Er geht brutal gegen Andersgläubige wie Schiiten oder Christen vor, zerstört Denkmäler anderer Kulturen und hat in seinem Kalifat die Sklaverei wieder eingeführt.

- Al-Nusra-Front: Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten und Süden Syriens stark. In Aleppo ist sie gerade heftigen russischen Bombardements ausgesetzt. Auch die Nusra-Front will ein Weltkalifat, hält die Zeit dafür aber noch nicht für gekommen. Anders als der IS geht sie Bündnisse mit anderen syrischen Rebellengruppen gegen die Regierung in Damaskus ein. Außerdem verzichtet sie auf Anschläge im Ausland. Den USA zufolge gibt es allerdings eine Nusra-Untergruppe Khorasan, die Anschläge im Westen planen soll.

- Ahrar al-Scham: Ein wichtiger Nusra-Verbündeter ist die Islamistenmiliz Ahrar al-Scham; beide sind im Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah. Ahrar al-Scham gibt sich pragmatischer als der Al-Kaida-Ableger und soll vor allem von der Türkei unterstützt werden. Die Organisation wurde zu den Friedensgesprächen eingeladen.© dpa