Istanbul/Kairo (dpa) - Seit Mitte September rückt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf die kurdisch-syrische Stadt Kobane vor. Kurdische Volksschutzeinheiten verteidigen die Stadt verzweifelt.

Nach türkischen Regierungsangaben sind mehr als 185 000 Menschen vor den Kämpfen in der Region Kobane in die angrenzende Türkei geflohen. Das Land hat nach offiziellen Angaben seit Beginn des Bürgerkrieges mehr als 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die humanitäre Situation an der Grenze ist kritisch und würde durch einen Fall Kobanes an den IS verschärft werden.

Die Terrormiliz konnte trotz der Luftschläge der USA und ihrer Verbündeten immer weiter auf Kobane vorrücken. Die Einnahme der Stadt wäre für den IS strategisch wichtig: Die Terrormiliz würde damit nicht nur ein großes zusammenhängendes irakisch-syrisches Gebiet, sondern auch weite Teile der Grenze zur Türkei kontrollieren.

Die kurdischen Kämpfer kritisierten von Anfang an, dass sie schlecht ausgerüstet seien und keinerlei Hilfe von außen erhielten. Der Ko-Präsident der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim, warnte kürzlich vor einem Massaker, sollte der IS die Stadt einnehmen.

Die Volksschutzeinheiten, die Kobane verteidigen, gelten als bewaffneter Arm der PYD. Sie stehen der kurdischen Arbeiterpartei PKK nahe, die unter anderem in der Türkei, der EU und den USA als terroristische Vereinigung geführt werden.

Die Kurden würden mit Kobane nicht nur eine Stadt verlieren. Es wäre ein herber Rückschlag für die kurdische Selbstverwaltung im Norden Syriens. Dort hatten die Kurden seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 drei selbstverwaltete Kantone etabliert - mit Kobane würden sie einen davon verlieren.

Im Bürgerkrieg galt die kurdische Enklave lange Zeit als relativ sicherer Zufluchtsort. Nach UN-Angaben waren 200 000 Menschen aus anderen Teilen Syriens dorthin geflohen. Die UN gehen davon aus, dass sich vor Beginn der heftigen Gefechte um die Region Kobane insgesamt etwa 400 000 Menschen dort aufhielten.© dpa