Bagdad/London (dpa) - Voll bewaffnete britische Jets sind erstmals zu einem Kampfeinsatz gegen die IS-Terrormiliz in den Irak geflogen.

Einen Tag nach dem Beschluss des Unterhauses für eine militärische Beteiligung am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) waren zwei Maschinen von Zypern aus etwa sieben Stunden in der Luft, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Die Piloten hätten Aufklärungsmaterial mitgebracht, das nun an die irakischen Bodentruppen weitergereicht werden soll.

In der Infanterieschule Hammelburg in Bayern begann zugleich die Ausbildung kurdischer Soldaten für den Kampf gegen die grausamen IS-Milizen. Die Peschmerga-Soldaten würden im Umgang mit der Panzerabwehrrakete des Typs "Milan" ausgebildet, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Geplant war die Schulung von etwa 30 Kämpfern.

Zur Bekämpfung des IS sollen die Kurden im Nordirak aus Deutschland unter anderem 500 dieser Raketen, 16 000 Gewehre und mehrere Millionen Schuss Munition bekommen. Deutschland will 10 000 Kämpfer ausrüsten. Der Transport der Waffen aus Bundeswehrbeständen in den Nordirak hatte am Donnerstag begonnen. Am Samstag ging eine weitere Lieferung in den Irak.

Die britischen Flugzeuge waren nach offiziellen Angaben ausgerüstet gewesen, um Angriffe zu fliegen, "sobald ein geeignetes Ziel identifiziert" sei. Dies sei am ersten Tag aber noch nicht der Fall gewesen.

Die kurdische Enklave Ain al-Arab (kurdisch: Kobane) in Syrien wurde erstmals seit dem Vormarsch von Kämpfern des Islamischen Staates (IS) direkt mit Mörsergranaten beschossen. Dabei seien ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Gleichzeitig griffen Flugzeuge des US-geführten Anti-IS-Bündnisses erstmals Stellungen der Dschihadisten in Dörfern nahe Ain al-Arab an, bestätigte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida).

Die kurdische Enklave an der syrisch-türkischen Grenze war vor über einer Woche von IS-Kämpfern umzingelt worden. Bei ihrem Vormarsch hatten die Dschihadisten mehr als 60 Dörfer im Umland eingenommen. Zehntausende Menschen waren nach Norden in die Türkei geflohen. Die Dschihadisten stehen nach Angaben von Augenzeugen bis zu zehn Kilometer vor Ain al-Arab.

An den US-Bombenangriffen auf den IS beteiligen sich auch Frankreich und mehrere arabische Staaten. Die Europäer fliegen ausschließlich Angriffe im Irak, die Araber konzentrieren sich auf Syrien. Nach Angaben der unabhängigen irakischen Nachrichtenseite Al-Sumaria News bombardierte die französische Luftwaffe am Samstag IS-Stellungen im westlich von Bagdad gelegenen Falludscha.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Freitag die Einbindung der syrischen Regierung von Machthaber Baschar al-Assad in den Kampf gegen den IS gefordert. Alle Beteiligten "sollten im selben Team spielen", sagte er in New York. Am Samstag lieferte Russland der irakischen Luftwaffe Kampfhubschrauber des Typs MI-35.© dpa