Kobane (dpa) - Mit Angriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versuchen die USA und ihre arabischen Verbündeten, den Vormarsch der Extremisten auf die nordsyrische Stadt Kobane zu stoppen. Das internationale Bündnis bombardierte IS-Stellungen östlich von Kobane.

Die Stadt an der Grenze zur Türkei ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher unter Kontrolle syrischer Kurden stand. Kurden und IS-Extremisten lieferten sich weiter heftige Kämpfe.

Der IS habe Verstärkung von neuen Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten, sagte der Chef der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, der Nachrichtenagentur dpa. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Terrormiliz habe seit dem Morgengrauen ihre Artillerieangriffe auf Kobane verstärkt. Bei den Kämpfen seien auf beiden Seiten Menschen getötet worden.

Die IS-Terrormiliz versucht seit mehr als zwei Wochen, Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Sie steht nur noch zwei bis drei Kilometer von der kurdischen Stadt entfernt. Die Extremisten haben seit Beginn ihrer Angriffe bereits mehr als 300 Dörfer im Umland unter Kontrolle gebracht, wie die Beobachtungsstelle berichtete. Die Orte liegen an der Grenze zur Türkei in einer Enklave, die von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde.

Ziele der Tornado-Angriffe sind offenbar schwere Waffen und Geländewagen.

Die syrischen Menschenrechtsbeobachter meldeten, die IS-Extremisten hätten vier Kämpfer der Kurden geköpft, die bei den Kämpfen um Kobane gefangen genommen worden seien. Drei davon seien Frauen gewesen. Die Köpfe der Toten seien in der Stadt Dscharablus aufgehängt worden.

Angesichts des IS-Vormarschs will sich die türkische Regierung vom Parlament die Erlaubnis für Militäroperationen in Syrien und im Irak geben lassen. Die Abgeordneten wollten am Donnerstag darüber beschließen, meldete die staatsnahe Nachrichtenagentur Anadolu.

Der Regierung des Nato-Mitglieds soll erlaubt werden, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmaß militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, hieß es weiter. Ankara werde auch dazu befugt, über die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Türkei zu entscheiden. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr.

Aus Deutschland wurden unterdessen weitere Waffen für die Kurden in den Nordirak geschickt. Mit dem insgesamt vierten Transportflug würden 48 Tonnen Waffen, Munition und Ausrüstungen in die Kurdenhauptstadt Erbil gebracht, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mit. Damit seien bisher 200 Tonnen Waffen und Ausrüstung verladen worden. Bis Ende Oktober sollten insgesamt 600 Tonnen geliefert werden.

Deutschland will 10 000 kurdische Soldaten der Peschmerga-Armee für deren Kampf gegen die IS-Milizen ausrüsten. Zudem wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge in Syrien und im Irak sowie Nachbarländern um zehn Millionen Euro aufgestockt.

Die IS-Terrormiliz kontrolliert im Norden und Osten Syriens rund ein Drittel der Fläche des Landes. Sollte sie Kobane einnehmen, würde sie auch weite Teile der rund 900 Kilometer langen türkisch-syrischen Grenze beherrschen. Die US-Luftwaffe hatte Anfang vergangener Woche ihre Luftangriffe vom Irak auf Syrien ausgedehnt. Die USA und ihre Verbündeten wollen die Terrormiliz zerstören.

Frankreich verstärkt seinen Militäreinsatz im Kampf gegen die Terrormiliz IS im Nordirak. Dies habe Staatspräsident François Hollande entschieden, teilte der Élysée-Palast mit. Der Einsatz solle umfassend und schlagkräftig sein, "um die gesetzten Ziele zu erreichen." Seit Mitte September beteiligen sich französische Kampfflugzeuge an US-geführten Luftangriffen auf die IS-Stellungen.

Auch Australien unterstützt den Kampf gegen die Extremisten im Irak seit Mittwoch mit Aufklärungs- und Tankflugzeugen. Premierminister Tony Abbott bezeichnete die Miliz als "apokalyptischen Todeskult". Kampfflugzeuge seien noch nicht im Einsatz, betonte er.

Das britische Verteidigungsministerium bestätigte, dass Tornados der Royal Air Force an weiteren Angriffen beteiligt waren. Unter anderem sei ein bewaffneter Pick-Up-Lastwagen und ein Transporter der Terrormiliz IS im Westen von Bagdad bombardiert worden.

Bei Kämpfen und Terroranschlägen im Irak kamen im vergangenen Monat mehr als 1100 Menschen ums Leben. Mehr als 850 der Getöteten seien Zivilisten gewesen, teilte die UN-Mission im Irak (Unami) am Donnerstag mit. Fast 1950 Menschen wurden demnach im September verletzt. Die meisten Opfer habe es in Bagdad gegeben.

Die Zahl der Todesopfer bei einem Doppelanschlag auf die von der Regierung kontrollierte syrische Stadt Homs ist auf mindestens 39 gestiegen. Zunächst war von 18 Toten berichtet worden. Unter den Toten seien 30 Kinder, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach explodierte in der Nähe einer Schule zunächst eine Autobombe. Wenige Minuten später sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft.© dpa