Ideologie und gute Bezahlung – das sind die Hauptmotive, weshalb sich zunehmend Türken der Islamistengruppe IS anschließen. Bisher sollen es etwa 1.000 an der Zahl sein. Die zunehmende Brutalität, mit der der IS gegen Religionsgruppen im Irak vorgeht und die Enthauptung westlicher Geiseln veranlassten indes die USA zu weiteren Luftangriffen gegen die Miliz.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) rekrutiert nach Informationen der Zeitung "New York Times" zunehmend auch in der Türkei neue Mitglieder. Bis zu 1.000 Türken hätten sich bislang der Extremistengruppe angeschlossen, berichtete das Blatt am Montag (Ortszeit) unter anderem unter Berufung auf türkische Regierungsangaben.

Anziehungspunkte seien sowohl die Ideologie der Miliz als auch die Bezahlung. Das Blatt berichtete von einem 27-jährigen Türken, der nach einer 15-tägigen Basisausbildung im syrischen Al-Rakka einer Kampfeinheit zugewiesen wurde. Er habe bereits zwei Männer erschossen und an einer öffentlichen Hinrichtung teilgenommen. Erst als er einen Mann lebendig begraben hatte, sei er als Vollmitglied der Miliz aufgenommen worden, sagte der ehemalige Drogenabhängige dem Blatt.

USA nehmen Ziele südwestlich von Bagdad ins Visier

Indes haben die USA ihre Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak ausgeweitet. Die US-Luftwaffe bombardierte erstmals auch ein Ziel südwestlich der Hauptstadt Bagdad. US-Kampfflugzeuge hatten die Dschihadisten zuvor lediglich im Norden des Landes attackiert, wo diese große Gebiete kontrollieren.

In seiner "Rede an die Nation" hatte US-Präsident Barack Obama vergangene Woche verstärkte Angriffe auf IS-Stellungen angekündigt. Am Dienstag (15.30 Uhr/MESZ) wollen US-Verteidigungsminister Chuck Hagel und Generalstabschef Martin Dempsey die Anti-IS-Strategie der Vereinigten Staaten bei einer Senatsanhörung in Washington erläutern. Mehr als 20 Länder wollen sich dem Kampf gegen die Extremisten anschließen.

Erster Schritt von Obamas Vier-Punkte-Plan gegen IS

Wie das US-Zentralkommando mitteilte, ist die Attacke auf die IS-Stellung nahe Bagdad vom Montag der erste Schritt des von Obama angekündigten "ausgeweiteten" Einsatzes gewesen. Ziel war es demnach, den irakischen Truppen beim Start einer Offensive zu helfen. Ein Vorrücken von IS-Kämpfern in Richtung Bagdad sei nicht der Grund des Angriffs gewesen. Nach Angaben des Militärs wurden am Sonntag bei Luftangriffen in der Sindschar-Region zudem sechs IS-Fahrzeuge zerstört.

Vertreter von mehr als 20 Ländern hatten sich zuvor bei einer Konferenz in Paris auf ein gemeinsames Vorgehen gegen die sunnitischen Extremisten verständigt. Dazu sollten in Absprache mit der irakischen Regierung alle notwendigen Mittel eingesetzt werden. Dies umfasst nach dem Willen der beteiligten Länder auch ein militärisches Vorgehen.

Steinmeier: Zeit zu handeln

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zufolge ist es "Zeit zu handeln". Am Ende werde nicht allein eine militärische Lösung über den Erfolg des Vorgehens gegen die Miliz entscheiden, sagte Steinmeier in Paris. Es komme auf eine breite Koalition aus der Region und der ganzen Welt an. Dabei solle die neue Regierung in Bagdad unterstützt werden, die alle religiösen Gruppierungen des Landes einbeziehen wolle. Steinmeier kündigte für die kommenden Tage "eine ganz dichte Frequenz von Treffen" an. Am Freitag sollen am Rande des Sicherheitsrates in New York etwa 40 Staaten über das Vorgehen im Irak beraten.

Die Pariser Konferenz einigte sich nach Angaben von Steinmeier und seines französischen Kollegen Laurent Fabius darauf, auch gegen die Finanzquellen der Terrormiliz vorzugehen. Dazu werde es bald eine Initiative aus Bahrain geben, kündigte Fabius an.

Die Miliz hatte am Wochenende ein Video mit der Ermordung einer dritten westlichen Geisel im Internet veröffentlicht. Obama bezeichnete die Enthauptung entführter Geiseln als strategischen Fehler. In der Wut über diese Morde hätten sich die Amerikaner schnell für einen Militäreinsatz gegen die Extremisten ausgesprochen, zitierte die "New York Times" den Präsidenten.

Extremisten drohen mit weiterem Mord

Verteidigungsminister Hagel und Generalstabschef Dempsey sollen das weitere Vorgehen nun vor dem Streitkräfteausschuss des Senats erläutern. Dabei müssen sie sich auf harte Fragen der Mitglieder gefasst machen. Der Senat muss gemeinsam mit dem Abgeordnetenhaus entscheiden, ob die USA wie von Obama gefordert die "moderaten" syrischen Rebellen trainieren und ausbilden sollen. Während einige Kongressmitglieder befürchten, dass Ausrüstung des US-Militärs in die falschen Hände geraten könnte, sehen andere diesen Schritt als entscheidend im Kampf gegen den IS. Die Terrormiliz kontrolliert auch weite Teile des irakischen Nachbarlandes.

In Syrien halten die Extremisten auch einen 47-jährigen Briten gefangen, mit dessen Ermordung sie gedroht haben. Der britische Außenminister Philip Hammond sagte in Paris, die Suche nach ihm und möglichen anderen Geiseln sei bislang erfolglos. "Wenn wir wüssten, wo sie sind, wäre das eine andere Geschichte, aber wir wissen nicht, wo sie sind", sagte Hammond über einen möglichen Einsatz von Spezialeinsatzkräften. Der Mann aus Manchester hatte sich im vergangenen Jahr an einem Hilfskonvoi für syrische Kinder beteiligt und war in die Hände des IS geraten.© dpa