In Günther Jauchs Talkshow vom 28. September zum Thema: "Gewalt im Namen Allahs - Wie denken unsere Muslime?" sorgte der Berliner Imam Abdul Adhim Kamouss für viel Wirbel. Jetzt äußerte er sich im Interview mit der Zeitschrift "The European" noch einmal ausführlich zu seinen Thesen - und kritisiert die Darstellung seiner Religion durch westliche Medien.

Salafismus, Muslime in Deutschland und der Islamische Staat (IS) waren Thema des Interviews mit dem Magazin "The European". Darin präsentierte Abdul Adhim Kamouss sich als meinungsstarker, strenger Muslime. In manchen Punkten versuchte er, seine kontroversen Aussagen zu relativieren.

Dennoch betonte Kamouss, in Jauchs Show sei er falsch verstanden worden: "Zu meiner Überraschung war ich nicht als Gesprächspartner, sondern vielmehr als Sündenbock eingeladen worden, der als Teil des Radikalisierungs-Problems wahrgenommen wurde." Als Prediger in der umstrittenen Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln wurde er in der Sendung heftig kritisiert. "Ich wollte die Radikalisierungsursachen aus der muslimischen Perspektive benennen. Ich wollte auch Selbstkritik üben", sagt er jetzt.

Prediger aus Jauch-Show ist für den Verfassungsschutz kein Unbekannter.

Die Berichterstattung in den Medien über islamische Grundsätze hält er für falsch: "Ich möchte mich nicht als Salafist bezeichnen, weil dieser Begriff – völlig zu Unrecht, wie ich finde – vom Verfassungsschutz mit einer stark negativen Bedeutung belastet wurde." Salafismus, Dschihad, Scharia - alle diese Begriffe würden den Muslimen genommen und ins Negative verkehrt.

Vielmehr gehe es den Muslimen um den Zusammenhalt in ihrer Glaubensgemeinschaft und um bloße Verteidigung gegenüber Angriffen. Im direkten Vergleich zwischen Christentum und Islam, urteilt Kamouss, hätten die Muslime einen "verhältnismäßig hohen Standard". Volle Moscheen seien "ein Zeichen dafür, dass diese Religion lebendig ist."

Die Terrormiliz Islamischer Staat tat er als eine "irregehende, verdorbene Sekte" ab, die eher von Jugendlichen verherrlicht würde. Eine ernste Gefahr scheint er nicht in ihr zu sehen. Seine Kritik richtet sich vor allem, im Gegensatz zu seinem eigenen Beteuern, gegen Christen und christliche Medien.

(sag)