Ein solch kritisches Interview hat Frauke Petry wohl noch nie geführt: Der britische Journalist Tim Sebastian befragte die AfD-Chefin in einem bemerkenswerten Gespräch - und ging mit ihr hart ins Gericht.

Die AfD ist im Dauerhoch: Wären heute Bundestagswahlen, würde die Partei drittstärkste Kraft im Bundestag werden.

Die etablierten Parteien finden oft keine geeignete Antwort, um den Rechtspopulisten entgegenzutreten. Und auch die deutschen Journalisten müssen sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, in Interviews mit der wortgewandten Parteichefin Frauke Petry nicht die richtigen Fragen zu stellen.

Einem britischen Journalisten ist nun genau das gelungen: Tim Sebastian befragte Petry für die "Deutsche Welle" in Leipzig in einem rund 30-minütigen Gespräch.

Das Video der Reihe "Conflict Zone" wurde nun ins Netz gestellt und verbreitet sich seither in rasantem Tempo viral. Vor allem unter Menschen, die mit der AfD nicht ganz so viel anfangen können.

"Das ist es, was eine freie Presse macht"

Besonders bemerkenswert ist eine Szene, in der sich Petry beschwert, dass ihr nur kritische Fragen gestellt werden: "Sie sollten mich lieber fragen, wie wir die europäische Politik ändern wollen", sagte sie.

Der Moderator reagierte unnachahmlich und weißt seine Gesprächspartnerin zurecht: "Sie können Fragen beantworten. Aber ich werde die Fragen stellen, die ich möchte. Denn das ist es, was eine freie Presse macht."

Immer wieder im Lauf des Gesprächs fragt der hervorragend vorbereitete Sebastian zielgerichtet nach - mehrfach antwortete Petry nur halbgar.

Das bleibt auch dem Moderator nicht verborgen: "Ich habe versucht, eine direkte Antwort aus Ihnen herauszubekommen, aber ich habe es nicht geschafft", sagt er während des Gesprächs. Oder: "Sie wollen keine direkten Antworten geben."

Keine Angst vor unangenehmen Fragen

Sebastian scheut sich auch nicht davor, bewusst unbequeme Fragen zu stellen. Zum in der AfD kursierenden Plan, Beschneidungen zu verbieten, will er wissen, warum sich eine politische Partei für den männlichen Penis interessiert. Und gleich zu Beginn des Interviews spricht er Petry auf ihre Aussage an, an der Grenze zur Not Schusswaffen gegen Flüchtlinge einzusetzen: "Sind Sie stolz darauf?"

Petry, die erst kürzlich die Zusammenarbeit mit ihrem Vorstands-Pressesprecher eingestellt hat, kann der Verlauf des Gesprächs kaum gefallen haben. Nach dem Interview verlässt sie den Raum, ohne dem Journalisten zum Abschied die Hand zu geben.

Das bemerkenswerte Gespräch ist hier in voller Länge zu sehen - machen Sie sich doch selbst ein Bild:

Petry's AfD: Waking up ghosts of the past? | Conflict Zone

Frauke Petry gibt einem britischen Journalisten ein Interview - das Gespräch verläuft bemerkenswert. © YouTube