Neu Delhi (dpa) - China will massiv in Indien investieren und seine Märkte weiter für Produkte aus dem Nachbarland öffnen. Bei einem offiziellen Besuch in Neu Delhi sagte der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping, es würden zwei Industrieparks gebaut sowie das Schienennetz erweitert.

Überschattet wurde das Treffen mit Indiens Premierminister Narendra Modi jedoch von einem Zwischenfall an der gemeinsamen Grenze. Indischen Medien zufolge drangen rund 1000 chinesische Soldaten auf indisches Gebiet vor.

"Ich habe unsere beträchtliche Sorge über die wiederholten Zwischenfälle an der Grenze ausgedrückt", sagte Modi nach dem Treffen. Beide Länder sollten nun endlich die Grenze zwischen ihnen festlegen.

Die beiden asiatischen Giganten streiten sich seit Jahrzehnten über den Grenzverlauf; 1962 führten sie sogar einen kurzen Grenzkrieg im Himalaya. Xi Jinping zeigte sich zuversichtlich, dass beide Seiten die Angelegenheit lösen können, "so dass derartige Ereignisse keine großen Auswirkungen haben".

Indische Soldaten bei einem Einsatz.

Insgesamt will China in den kommenden fünf Jahren 20 Milliarden US-Dollar (15,5 Milliarden Euro) investieren. Nach offiziellen Angaben Indiens flossen aus dem wirtschaftlich viel stärkeren Nachbarland in den vergangenen 14 Jahren insgesamt nur 411 Millionen US-Dollar auf den Subkontinent. Außerdem soll Indien zukünftig mehr Produkte wie etwa Medikamente nach China exportieren können.

Die beiden Länder wollen auch in der Raumfahrt zusammenarbeiten. Modi machte in seiner Rede mehrfach klar, dass sie nur dann gemeinsam Ziele erreichen könnten, wenn Frieden und Stabilität herrsche.

Nach Angaben der indischen Regierung verletzte China allein in diesem Jahr schon mehr als 300 Mal die Grenze. Nach Angaben des indischen Senders NDTV drangen die chinesischen Soldaten in den vergangenen Tagen fünf Kilometer auf indisches Gebiet vor und versuchten, eine Straße zu bauen. Es sei der schwerwiegendste Vorfall der vergangenen Jahre. Der Grenzverlauf ist jedoch nicht genau definiert.

Xi Jinping, der auch Oberbefehlshaber des Heeres ist, betonte in seiner Rede hingegen den kulturellen Austausch. 2015 solle in seinem Land das Jahr "Besuche Indien" werden, im Gegenzug werde es 2016 in Indien das Jahr "Besuche China" geben. Er erklärte, die beiden Milliardenvölker könnten zusammen das 21. Jahrhundert bestimmen. "Wenn China und Indien mit einer Stimme sprechen, wird die Welt zuhören."© dpa