Die Nato hat bestätigt, dass ein russischer Militärkonvoi in die Ukraine gelangt sei. Nato-General Philip Breedlove bestätigte am Mittwoch in Sofia entsprechende Berichte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) über russische Truppenbewegungen.

"In den vergangenen zwei Tagen haben wir dasselbe gesehen, was die OSZE berichtet", sagte Breedlove. Dabei handele es sich um "Kolonnen mit russischer Ausrüstung, vor allem russische Panzer, russische Artillerie, russische Luftabwehrsysteme und russische Kampftruppen", die in die Ukraine gelangten, sagte Breedlove. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Der Nato-General sprach bei einer Veranstaltung des Atlantischen Clubs von Bulgarien.

Steinmeier warnt vor Aufrüstung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat eindringlich vor einer weiteren Aufrüstung in der Ost-Ukraine gewarnt. Es gebe Hinweise, "dass die Separatisten sich jedenfalls darauf vorbereiten, auch größere gewaltsame Auseinandersetzungen zu bestehen", sagte er am Mittwoch in Berlin.

"Es macht in dieser Situation keinen Sinn, in der Region wieder aufzurüsten und sich auf weitere militärische Konfrontationen vorzubereiten. Es nützt keinem, wir verlieren Zeit."

Separatisten weisen Berichte zurück

Die militanten Separatisten in der Ostukraine hatten zuvor Berichte über massive militärische Unterstützung aus Russland erneut zurückgewiesen. Bei den Lastwagenkonvois mit Waffen und Kämpfern im Krisengebiet, die unter anderem von Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) gesehen wurden, handele es sich um Kolonnen der Aufständischen und nicht um russische Truppen. Das sagte einer der Separatistenführer, Boris Litwinow, in Donezk.

"Es ist zwar sowjetische Technik, wie sie auch die russische Armee noch benutzt, aber wir haben sie im Kampf gegen ukrainische Einheiten erbeutet", sagte Litwinow am Mittwoch. "Das sind unsere Trophäen."

Gefechte in Donezk

Die proeuropäische Führung in Kiew und der Westen werfen Russland vor, die Separatisten aufzurüsten. Die Aufständischen selbst hatten zwar Unterstützung aus Moskau eingeräumt, allerdings handele es sich etwa bei Kämpfern aus Russland um "Freiwillige".

In Donezk gab es bei fortwährenden Gefechten zwischen der Armee und Aufständischen mehrere Tote und Verletzte. Örtliche Rundfunksender sprachen von den heftigsten Kämpfen seit Tagen. Insbesondere am geschlossenen Flughafen der Großstadt sei Artilleriebeschuss zu hören. Die Aufständischen bezifferten die Sachschäden seit Beginn der Gefechte im April auf bisher rund 65 Millionen Euro allein in Donezk.© dpa