Nelson Mandela ist gestorben. Wenige Menschen haben politisch mehr bewegt als Südafrikas Freiheitskämpfer. Seinen lebenslanges Engagement gegen die Apartheid in Südafrika bezahlte er mit insgesamt 27 Jahren Haft - doch brechen ließ er sich nicht. Mandela wurde zum Idol der ganzen Welt und besiegte mit seinem ANC schließlich das menschenverachtende Regime.

Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela ist tot. Der 95-Jährige sei am Donnerstagabend gegen 20.50 Uhr Ortszeit (19.50 Uhr MEZ) gestorben, sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma am Donnerstagabend in einer landesweit übertragenen Fernsehsondersendung. "Unsere Nation hat ihren größten Sohn verloren. Unser Volk hat einen Vater verloren." Der Begründer des demokratischen Südafrikas sei friedlich im Kreise seiner Familie dahingeschieden, sagte Zuma, ganz in Schwarz gekleidet, mit bedrückter Stimme. Dies sei ein Moment "tiefster Trauer" für alle Südafrikaner.

"Nelson Mandela brachte uns zusammen und zusammen nehmen wir Abschied von ihm", sagte Zuma. Mandelas unermüdlicher Kampf für Freiheit habe dem Friedensnobelpreisträger den Respekt der ganzen Welt eingebracht.

Die Welt würdigt Nelson Mandela

US-Präsident Barack Obama nannte den verstorbenen Friedensnobelpreisträger ein großes Vorbild. Die Welt habe einen der einflussreichsten und mutigsten Menschen verloren. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete Mandela als "Giganten für die Gerechtigkeit". Er sei zutiefst traurig über seinen Tod. "Nelson Mandela hat uns gezeigt, was für unsere Welt und für jeden einzelnen von uns möglich ist - wenn wir zusammen an Gerechtigkeit und Menschlichkeit glauben, davon träumen und uns dafür einsetzen."

Mandela war im Sommer wegen einer schweren Lungenentzündung im Medi-Clinic-Heart-Krankenhaus in der südafrikanischen Hauptstadt behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

Südafrikas Fernseh- und Radiosender sendeten ab Donnerstagabend nur noch Trauermusik. Zuma rief eine Staatstrauer aus. Die Fahnen des Landes würden bis zum Tag der Beerdigung Mandelas auf halbmast gehisst. Nun sollten sich alle Südafrikaner an die Werte erinnern, für die Madiba, so sein Clanname, stand. "Lasst uns zu seiner Vision stehen, die eine Gesellschaft war, in der niemand ausgebeutet und unterdrückt wird." Der Präsident pries die Vision Mandelas von einem einigen, nicht-rassistischen, nicht-sexistischen, demokratischen und blühenden Südafrika.

"Vater der Demokratie" in Südafrika

Lange Monate hieß es offiziell, Mandela befinde sich "in stabilem, aber kritischem Zustand". Die Ex-Frau Mandelas, Winnie Madikizela-Mandela, hatte vor drei Wochen berichtet, der 95-Jährige könne inzwischen nicht mehr sprechen. "Er kommuniziert über sein Gesicht", sagte sie. Mandela sei "auch auf dem Sterbebett" noch inspirierend, hatte seine älteste Tochter am Dienstag im Fernsehsender SABC betont. "Ich glaube, er erteilt uns immer noch Lehren. Lehren in Geduld, Lehren in Liebe, Lehren in Toleranz", sagte Makaziwe Mandela.

Wegen seines Kampfes gegen das rassistische Apartheidsystem hatte Mandela 27 Jahre lang in Haft gesessen. Nach seiner Freilassung 1990 warb er trotz seiner langen Leidenszeit für Versöhnung in Südafrika und trat an, das tief gespaltene Land wieder zu einen. Der Friedensnobelpreis 1993 und seine Wahl zum Präsidenten Südafrikas 1994 waren die Krönung seines politischen Lebens. Zuma hatte seinen Vorgänger als "Vater der Demokratie" bezeichnet. Mandela ebnete den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weißen in seinem Heimatland.

Bei allem, was Nelson Mandela für Südafrika und für die Menschlichkeit geleistet hat, wird sein Leben kaum als vollständig geglückt gelten. Außer den 27 Jahren Haft erlitt er auch persönliche Schicksalsschläge - wie die Scheidung von Winnie Mandela oder den Aids-Tod seines ältesten Sohnes. Doch eines scheint klar: Einen Staatsmann und eine moralische Instanz von seiner Statur wird es so schnell nicht wieder geben - falls überhaupt noch einmal. (dpa/jfi)