Im Streit um die Cyber-Attacke gegen das Filmstudio Sony Pictures hat das kommunistische Regime Nordkoreas seinen Ton gegenüber den USA verschärft - und droht den USA mit einem "ultra-harten Reaktionskrieg".

Die Nationale Verteidigungskommission warnte am Sonntag, "die Streitkräfte und die Bevölkerung (Nordkoreas) sind zu einer Konfrontation mit den USA in allen Kriegsbereichen einschließlich des Cyber-Kriegsraums bereit, um diese Zitadellen in die Luft zu sprengen."

Die härteste Gegenaktion werde sich offen gegen das Weiße Haus, das Pentagon und das gesamte US-Festland richten, hieß es in der von den Staatsmedien auf Englisch veröffentlichten Erklärung. Das mächtigste Entscheidungsgremium des Landes bekräftigte, Nordkorea habe nichts mit dem Hacker-Angriff zu tun. In der koreanischsprachigen Version hatte Nordkorea mit einem "ultra-harten Reaktionskrieg" gegen die USA gedroht.

Obama: "Hackerangriff war kein Kriegsakt"

Die Cyber-Attacke auf Sony Pictures erreicht das politische Parkett: Nordkorea habe mit dem Hacker-Angriff nichts zu tun, hieß es am Samstag aus Pjöngjang. Das Land will seine Unschuld bei einer gemeinsamen Untersuchung mit den USA beweisen.

Nordkorea reagierte damit auf die Anschuldigung der USA, Pjöngjang stecke hinter dem Hacker-Angriff. US-Präsident Barack Obama hatte eine "angemessenen Reaktion" angekündigt. Nordkorea hatte die USA zu gemeinsamen Ermittlungen in dem Fall aufgerufen und gedroht, es werde "ernste Konsequenzen" haben, sollten die USA den Vorschlag ablehnen.

US-Präsident Barack Obama sieht aber keine akute Bedrohung durch Nordkorea. So sei der Hackerangriff auf Sony war nach Einschätzung von US-Präsident Barack Obama kein "Kriegsakt" Nordkoreas, sondern vielmehr "Cybervandalismus". Der Vorfall werde dessen ungeachtet "sehr ernst genommen", sagte Obama dem Fernsehsender CNN. Das Angebot aus Pjöngjang zu einer gemeinsamen Untersuchung lehnte Washington ab.

USA will sich mit China verbünden

Zur Abwehr künftiger Cyberattacken wollen die USA offenbar den Erzrivalen und Nordkorea-Verbündeten China ins Boot holen. Peking sei um "Zusammenarbeit" gebeten worden, sagte ein hoher US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Eine entsprechende Anfrage sei bei gemeinsamen Gesprächen über Internetsicherheit gestellt worden. Washington und Peking seien sich einig, dass "zerstörerische Angriffe im Cyberspace außerhalb der Normen angemessenen Cyber-Verhaltens stehen". Eine engere Zusammenarbeit auf dem Gebiet ist brisant, da sich beide Regierungen gegenseitig etwa der Industriespionage im Cyberspace verdächtigen.

Im Zentrum der ganzen Affäre steht eine Gruppe mit dem Namen Guardians of Peace (GOP), die Ende November einen Cyberangriff auf Sony gestartet und interne Dokumente und E-Mails veröffentlicht hatte. Vor einigen Tagen sprach die Gruppe wegen der Parodie "The Interview", in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht, ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001. Mehrere Kinoketten entschieden daraufhin, den Film aus dem Programm zu nehmen - woraufhin Sony den Kinostart komplett absagte. (cai/dpa/afp)