Nach der mutmaßlichen Zündung einer Wasserstoffbombe drohen Nordkorea verschärfte Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft.

Der UN-Sicherheitsrat ziehe "weitere bedeutende Maßnahmen" in Betracht und verurteile den Test scharf, sagte Elbio Rosselli, derzeit Vorsitzender des Rats, nach einer Dringlichkeitssitzung. Japan sieht andernfalls die Glaubwürdigkeit des mächtigsten UN-Gremiums in Gefahr.

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet und damit weltweit Empörung ausgelöst. Atomexperten in Südkorea und anderen Staaten bestätigten nach Erdbebenmessungen einen Kernwaffentest in dem international isolierten Land. Sie bezweifelten aber angesichts der begrenzten Sprengkraft, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe detonierte.

Messwerte weisen auf Lüge des nordkoreanischen Regimes hin.

Aktion verstößt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats

Die Aktion verstößt gegen vier bestehende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. "Daher besteht weiterhin eine klare Bedrohung für die internationale Sicherheit", sagte Rosselli. "Japan wird um eine neue, schnell anzunehmende und robuste Resolution bitten", sagte Japans UN-Botschafter Motohide Yoshikawa in New York. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, forderte Nordkorea auf, alle relevanten Resolutionen vollständig umzusetzen.

Seinen ersten Atomtest hatte Nordkorea vor zehn Jahren durchgeführt. Die Diktatur unter Machthaber Kim Jong Un sieht sich von den USA bedroht und stockt ihr Nukleararsenal seit Jahren stetig auf. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits eine Reihe von Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea sowie eine Reihe von Einzelpersonen beschlossen.

Messungen von Erdbebenwarten in der ganzen Welt belegen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea auf seinem Atomtestgelände im Nordosten einen Nukleartest unternommen hat. Zwischen 2006 und 2013 gab es auf dem Testgelände in Punggye Ri im Kreis Kilju drei Tests, auf die der Sicherheitsrat jeweils mit neuen Sanktionen antwortete.

Die staatlich kontrollierten Medien jubelten, mit der erfolgreichen Erprobung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) "in der perfektesten Weise" habe sich die Volksrepublik in die Reihe der Atommächte gestellt, die über eine solche Waffe verfügten.

Südkoreanische Militärexperten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte H-Bombe gezündet hat, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte. Die Stärke der Explosion sei dafür zu schwach gewesen. Eine Wasserstoffbombe setzt Energie aus einer Kernverschmelzung frei. Als Zünder enthält sie eine Atombombe.

Auch die USA kamen nach einer ersten Analyse zu anderen Ergebnissen, wie Regierungssprecher Josh Earnest sagte. Man sehe keinen Grund, von einer veränderten Bewaffnung Nordkoreas auszugehen. Washington versicherte Südkorea des gusseisernen Versprechens, das Land gegen den nördlichen Nachbar nötigenfalls militärisch zu verteidigen.

Nordkorea empört mit angeblichem Test von Wasserstoffbombe.

Nach Angaben der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Wien war die aktuelle Detonation ähnlich stark wie die vor drei Jahren. Stationen hätten eine Erschütterung der Stärke 4,9 gemessen, sagte der Chef-Datenanalyst der Organisation, Randy Bell.

"Starke Indizien für eine Nuklearexplosion"

"Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion", teilte auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit, die von einer Stärke von 5,1 sprach. Das entspreche einer Sprengkraft von 14 Kilotonnen und somit in etwa der Stärke des Tests von 2013.

Das Verteidigungsministerium in Seoul vermutete, dass Nordkorea eine sogenannte geboostete Spaltbombe entwickelt haben könnte, eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Entwicklung einer H-Bombe.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sagte, dass Nordkorea einen entsprechenden Preis zahlen werde. Auch Nordkoreas traditioneller Verbündeter China kritisierte den neuen Test. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ den nordkoreanischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellen.© dpa