Nach Angaben der südkoreanischen Armee hat das Regime von Kim Jong Un zwei weitere Kurzstreckenraketen abgeschossen. Sie sollen 500 Kilometer weit geflogen sein.

Nordkoreas Militär hat nach Angaben Südkoreas zwei Kurzstreckenraketen in Richtung offenes Meer abgefeuert. Die beiden ballistischen Raketen seien nach ihrem Start in der südlichen Provinz Nord-Hwanghae etwa 500 Kilometer weit geflogen und vor der Ostküste des Landes ins Wasser gestürzt, teilte der Stabschef der südkoreanischen Streitkräfte mit.

Nordkorea testet regelmäßig Raketen von kurzer Reichweite, zuletzt waren vor einer Woche sechs Geschosse abgefeuert worden. Die jüngsten Raketentests erfolgten inmitten zunehmender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel: Zum Beginn mehrwöchiger Militärmanöver der USA mit Südkorea am Montag hatte Nordkorea seinen Ton verschärft und erneut mit einem atomaren Erstschlag gedroht. Das kommunistische Regime unterstellt den USA Angriffsabsichten. Amerika und Südkorea bestreiten das.

Anfang März hatten Nordkoreas Staatsmedien berichtet, Machthaber Kim Jong Un habe die sofortige Einsatzbereitschaft von Atomwaffen angeordnet. Zuvor hatte der Uno-Sicherheitsrat als Antwort auf einen neuen nordkoreanischen Atomtest im Januar und einen umstrittenen Raketenstart im Februar seine Sanktionen gegen das Land verschärft. Nordkorea sprach von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken. Die internationale Gemeinschaft sieht darin allerdings einen verdeckten Test für eine Langstreckenrakete, die mit einem Atomsprengkopf bestückt werden könnte.

Nur wenige Stunden vor dem Start der zwei Kurzstreckenraketen hatte Kim Jong Un im Staatsfernsehen gesagt, sein Land verfüge nun "über eine echte nukleare Abschreckung": TV-Bilder zeigten ihn neben einem runden, silbernen Objekt, bei dem es sich um einen der neuen nuklearen Sprengköpfe handeln soll. Südkoreanische Experten bezweifeln allerdings, dass es sich um ein echtes Waffenteil handelt.

Nordkorea erklärte zudem, es wolle das gesamte südkoreanische Eigentum im Land "liquidieren". Alle bilateralen Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit würden als ungültig betrachtet, hieß es am Donnerstag laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in einer Erklärung des Regimes in Pjöngjang. Alles, was südkoreanischen Unternehmen in Nordkorea gehöre, solle verkauft werden.© SPIEGEL ONLINE