Ein ehemaliger sächsischer Neonazi-Aktivist hat die Aussage von Beate Zschäpe im Münchner NSU-Prozess zur Beschaffung einer Waffe als "vollkommen verrückt" bezeichnet.

Jan W. sagte dem Magazin "Spiegel", er habe - anders, als von Beate Zschäpe behauptet - "nie eine Waffe besessen, geschweige denn an die drei weitergegeben".

Hauptangeklagte im NSU-Prozess beantwortet Fragen des Richters.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin hatte am Donnerstag in ihrer von ihrem Anwalt verlesenen neuen Erklärung mehrere Neonazis als Helfer des NSU-Trios genannt - darunter auch Jan W., den damaligen Anführer einer "Blood & Honour"-Gruppe.

Er habe eine Waffe beschafft, hieß es in der Erklärung. Das habe ihr Uwe Böhnhardt erzählt. Jan W. wies das nun zurück und sagte im "Spiegel", er kenne Zschäpe überhaupt nicht.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) und muss sich als mutmaßliche Mittäterin für insgesamt zehn Morde an türkisch- und griechischstämmigen Geschäftsleuten und einer Polizistin sowie für zwei Sprengstoffanschläge verantworten. Sie ist die Hauptangeklagte im Prozess. Mit ihr stehen vier mutmaßliche Helfer vor Gericht.

Jan W. war als Zeuge nach München geladen, hatte aber jede Aussage verweigert, mit der Begründung, er müsse sich selbst nicht strafrechtlich belasten.

Im NSU-Prozess wurden am Freitag alle Termine für die kommende Woche abgesetzt. Grund für die Unterbrechung sind zwei Befangenheitsanträge des Angeklagten Ralf Wohlleben.© dpa