Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble denkt über eine Bargeldgrenze nach, um der organisierten Kriminalität das Handwerk zu legen. Ein Miteinander ohne Scheine und Münzen? Bezahlen nur noch mit Karte? Anne Will möchte von ihrer Runde wissen, ob sich sowas tatsächlich durchsetzen lässt.

Was ist das Thema?

"Der Bundesfinanzminister will uns etwas vorschreiben", sagt ARD-Journalistin Anne Will im Intro ihrer Sendung. Es geht um einen Bargeldgrenze von 5.000 Euro, wie sie jüngst Wolfgang Schäuble (CDU) ins Gespräch brachte. Die Mehrheit der Deutschen sei aber dagegen, schildert Will und möchte mit ihren Gästen über Sinn oder Unsinn dieser Gedankenspiele sprechen. "Ist das der Anfang vom Ende des Bargelds?"

Wer sind die Gäste?


Theo Waigel, CSU, ehemaliger Bundesfinanzminister. Ein Verfechter des unbegrenzten Geschäftsverkehrs mit Bargeld. "Bargeld ist etwas ganz Wichtiges", sagt der 76-Jährige. "Es gibt ein Grundrecht auf Bargeld und das sollte man sich in Europa genau überlegen." Seiner Meinung nach greift auch das Argument nicht, dass mit weniger Bargeld Geldwäsche Einhalt geboten werden könne.

"Der Schwerpunkt organisierter Kriminalität liegt nicht zwischen fünf und 10.000 Euro", meint er. Waigel wirkt sehr staatsmännisch. Routiniert, gepaart mit etwas Witz nimmt er an der Runde teil. "Ich kann der Politik nur raten, so etwas gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung nicht anzugehen", sagt er. "Lassen Sie der älteren Generation ihre Freude am Bargeld."

Michael Meister, CDU, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzminister. "Deutschland ist eine extrem starke Wirtschaftskraft in der Mitte Europas und damit ein Hort für Kriminelle", sagt der 54-Jährige. Für ihn hat das Geldwäsche-Argument Vorrang. Deswegen gebe es diese Idee, erklärt er und verteidigt die diskutierte 5.000 Euro-Grenze. "Die meisten EU-Länder liegen deutlich drunter. Wir gehen mit einer hohen Zahl da rein."

Obergrenze steht zur Diskussion - wie sehr hängen Sie an Scheinen?

Christian Lindner, FDP, Parteivorsitzender. Kaum noch eine Talk-Show, in der er nicht dabei ist. Es honoriert, dass die Liberalen in der Wählergunst wieder zugelegt haben. Und so vertritt er auch in dieser Sendung vehement liberale Gedanken. "Wir dürfen nicht gläsern werden gegenüber dem Staat", sagt der 37-Jährige. "Bargeld ist eine geprägte Form von Freiheit, die man sich nicht nehmen lassen sollte."

Nancy Schneider, Leiterin eines Leipziger Autohauses. Auch sie spricht von einem "Einschnitt in unsere Freiheit. Ich als Verbraucherin möchte selbst entscheiden, ob ich bar oder mit Karte bezahle." Sie schildert aus ihren tagtäglichen Erfahrungen, dass das Limit vieler Kunden für Kartenzahlungen zwischen 500 und 2.000 Euro pro Tag liege. "Die Kunden wollen keine Überweisungen. Die meisten kommen mit Bargeld", schildert sie. "Das ist eine Gefühlssache. Die haben sich das hart erarbeitet." Im Falle einer Bargeldgrenze stellt sie zudem die Frage nach dem Datenschutz.

Peter Fissenewert. Rechtsanwalt und Anti-Korruptionsexperte. Sein Argument pro Bargeldgrenze: besagte Geldwäsche. "Ich möchte nicht in einer Gefahrenzone leben", sagt er und spricht von 100 Millionen Euro Geldwäsche pro Jahr. "Im Ranking von Null bis 82 liegt Deutschland auf Platz acht", erzählt er. Deutschland liege in der Mitte Europas und sei super attraktiv für Geldwäsche. Warum? "Weil Deutschland keine Bargeldgrenze hat."

Was war das Rede-Duell des Abends?


Lindner gegen Meister. Dabei redet fast nur der FDP-Politiker. "Sie machen 80 Millionen Deutsche zu Verbrechern. Das mache ich Ihnen zum Vorwurf", sagt er und wirft Meister vor, pauschal vorzuverurteilen. "Warum muss jemand begründen, wen er bar bezahlen will?", meint er weiter.

"Ich empfehle Ihnen, Herr Meister, vertrauen sie mehr den Kunden und damit den Bürgern." Und weiter: Die Studie, die von der Bundesregierung in Auftrag wurde und die 100 Milliarden Euro als Größe für Geldwäsche nannte, werde selbst von der bayerische Landesregierung, "Ihrer Parteifamilie", in Frage gestellt.

Experte erklärt, warum wir Angst vor bargeldloser Zukunft haben.

Was war der Moment des Abends?


Als Waigel in seiner charmant-süffisanten Art ein Beispiel aus dem Leben nennt, das ein bargeldloses Miteinander wirklich absurd wirken lässt. "Wenn meine Enkel ihr Zeugnis nach Hause bringen und ich ihnen was dafür geben will, frage ich doch auch nicht nach ihren Kontodaten", sagt er – und hat die Lacher auf seiner Seite.

Wie hat sich Will geschlagen?


Ganz abgeklärt. Sie hakt mehrmals gekonnt vor allem bei Meister nach. "Das war jetzt nicht meine Frage", sagt sie einmal. Und ein anderes Mal: "Damit habe ich nicht meine Antwort." Ihr gelingt damit eine wohltuend unaufgeregte Sendung.

Was ist das Ergebnis?


Dass wohl nicht nur eine Mehrheit der Bürger eine Bargeldgrenze oder gar dessen Abschaffung ablehnt. Die Befürworter dürften, so nachvollziehbar ihr Argument der Bekämpfung der Geldwäsche auch ist, klar in der Minderheit sein. Und schon gar nicht dürfte die Regierung in der Lage sein, den Wählern einen solchen Deal schmackhaft zu machen.