"Rechter Haken für Merkel: Kann sie ihre Politik noch durchsetzen?", fragt Sandra Maischberger in ihrer Talkshow. Eingeladen hat sie zwei alte Politik-Recken und zwei journalistische Streithähne. Und eine AfD-Frau, die bei einem Gast in der Runde Erinnerungen an die alte FDP weckt.

Irgendwann reicht es dem ewigen "Stern"-Zwischenrufer Hans-Ulrich Jörges. "Das wäre ja noch schöner, wenn die Bundeskanzlerin ihre Politik nach der AfD ausrichtet", poltert Jörges in der Sendung "Maischberger" los. "Die Menschen haben bei den Landtagswahlen mit großer Mehrheit andere Parteien als die AfD gewählt - und Ministerpräsidenten, die sich massiv zu Angela Merkels Flüchtlingspolitik bekannt haben".

Mann, der AfD-Frau einst unterrichtete, bezichtigt die Politikerin der Lüge.

Es ist nicht so, dass der eher links-liberale Jörges die Kanzlerin vehement gegen Kritiker vom extremen Rand verteidigen muss. Nein, was den "Stern"-Mann wirklich auf die Palme bringt, ist der Kollege von der Springer-Presse.

Zuvor hatte Claus Strunz, langjähriger Chef der "Bild am Sonntag", versucht ein ganz anderes Bild vom Ausgang der Landtagswahlen am vergangenen Sonntag zu zeichnen. "Frau Merkel hätte die Zeichen der Wähler richtig deuten sollen", postuliert Strunz aufgeregt.

Wenn sie merke, dass ihre eigenen Leute nicht mehr hinter ihr stehen, dann müsse sie ihren Kurs ändern. "Als Politiker muss man auf das hören, was das Volk will", ist das Politikverständnis des vormaligen "Bild"-Journalisten.

Dabei verwechselt er ganz offenbar den Job eines Bundeskanzlers mit dem Grundsatz eines Blattes, das viel darauf hält, seinen Lesern auf den Mund zu schauen.

Strunz schräges Politikverständnis ist bemerkenswert. Und es ist schön, dass diese Sendung genug Raum bietet, die Idee einer Kanzlerin, die ihr Handeln vom jeweiligen Wahlergebnis abhängig macht, einmal zu Ende zu denken.

"AfD hat mit Streichholz Flüchtlingspolitik angezündet"

Rechtsabbieger an der Urne. AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt wirft Fragen auf.

Dafür hat Sandra Maischberger neben den etwas hitzköpfigen Journalisten-Kollegen auch zwei besonnene Politik-Profis aus der Vergangenheit eingeladen. Da ist zum einen Peter Hintze (CDU), den viele noch als Generalsekretär des "ewigen" Kanzlers Helmut Kohl in Erinnerung haben - und der es nicht verlernt hat, klar hinter einer CDU-Kanzlerin zu stehen.

"Von einem Politiker muss man erwarten, dass er das, was er für richtig hält, auch durchsetzt", betont Hintze. "Nur weil irgendeine Protest-Partei auf 10 Prozent kommt", könne Merkel jetzt nicht einfach in die andere Richtung zum EU-Gipfel weiterlaufen.

Im Gegensatz zu den alten Kohl-Zeiten hat Hintze heute mit Klaus von Dohnanyi auch einen alten SPD-Recken an seiner Seite, einen der die Sozialdemokraten noch als eine Partei jenseits der 40 Prozent kennengelernt hat. "Sowohl Herr Kretschmann als auch Frau Dreyer bewegen sich links der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin - und beide haben gewonnen", betont der ehemalige Hamburger Bürgermeister, um sich dann allerdings in ein etwas unglückliches Bild hineinzureden.

"Die AfD hat jetzt mal mit dem Streichholz die Flüchtlingspolitik angezündet und ist eine Partei, die weiß, dass es brennbares Material gibt". Ob da die Wähler als brennendes Material gemeint sind, ruft der Ex-"Bild"-Mann Strunz empört dazwischen.

Doch soweit muss man gar nicht gehen, auch in Bezug auf brennende Flüchtlingsheime ist Dohnanyi Streichholz-Bild unangenehm doppeldeutig. Und eine perfekte Überleitung für Frau Maischberger den Blick vom "Merkel-Fanclub" (Strunz) an die AfD-Frau in der Runde zu richten.

Alice Weidel - "eher im rechten FDP-Flügel" als in der AfD

Dr. Klaus von Dohnanyi mit Dr. Alice Weidel in der ARD-Talkshow "Maischberger".

Die wird diesmal nicht von der verschrobenen und immer auch etwas gruseligen Beatrix von Storch vertreten, sondern von Alice Weidel vom AfD-Bundesvorstand. Die kühle Blondine ist Profi genug, um aalglatt jede unglückliche Äußerung geschickt zu umschiffen - und sich sogar unerwartete Unterstützung innerhalb der Sendung zu erarbeiten.

Zum Schluss wird Weidel ausgerechnet vom "Stern"-Mann Jörges als eine Frau gepriesen, "die er eher im rechten Flügel der FDP verorten würde". Und tatsächlich weht einen einiges von der alten Westerwelle-Truppe ("Partei der Besserverdienenden") an, wenn die Frau im Business-Kostüm mit wohlüberlegten Worten die Flüchtlingskrise auf einen juristischen Fall reduziert.

"Die Bundesregierung verfolgt eine Politik ohne Mandat, weil sie sich über Gesetze hinwegsetzt", kritisiert sie mit Blick auf die Asyl-Regelungen im Schengen-Raum. Und in trauter Eintracht mit dem Springer-Mann: "Der Wähler wurde nicht gefragt".

Das seien Ansichten, die man natürlich so sagen dürfe, entgegnet "Stern"-Kolumnist Jörges mit Blick auf Weidel. "Aber das ist eben nicht die normale Diskussionskultur in dieser Partei, in der es einen extremistischen Rand gibt", der sehr wohl jubele, wenn Flüchtlingsunterkünfte brennen würden.

Wieso Merkel und Gabriel trotz Wahlpleite unbeirrt auf Kurs bleiben.

Da war es wieder das Bild des Streichholzes. Und ein seltener Konsens mit dem Springer-Kollegen Strunz. "Wenn man die braune Linie zu oft übertritt", dann rutsche man darauf aus, erklärt Strunz, um dann eine überraschende Perspektive zu zeichnen. "Er sei sehr gespannt, wer sich da durchsetzt".

Vielleicht sei die AfD ja irgendwann einmal koalitionsfähig - mit der CDU.

Da reicht es allerdings dem ehemaligen CDU-Generalsekretär Peter Hintze: "Wenn ihre Partei vom Volkskörper redet, dann ist das so ein rechtes Geschwurbel, dass wir als CDU ganz klar sagen, dass wir mit dieser Partei nicht koalieren werden", fährt er die AfD-Frau an, die nach eigenen Bekunden nicht versteht, "was die Leute immer mit Stammtisch meinen".

Da ist keine Einigkeit zwischen Hintze und Weidel zu erkennen, trotz aller Erinnerung an den alten Partner FDP. Und genau das ärgert den Springer-Mann Strunz, der an Hintzes "intellektuellen Geist" mahnt, zu erkennen, "dass sich die AfD doch durchaus ändern könne".

Es ist wirklich ein absurdes Schauspiel, das diese Runde in solchen Momenten bietet. Ein CDU-Mann und ein SPD-Mann bekämpfen in trauter Einigkeit eine eindeutig nicht repräsentative Vertreterin der AfD.

Und ein Journalist des Springer-Konzerns sucht verzweifelt nach alten Feindbildern, enttäuschten CDU-Wählern - und versteht am Ende die Welt nicht mehr.

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