Drei Landtagswahlen und ein Thema: In einer Spezialsendung widmet sich Maybrit Illner der Flüchtlingskrise. Und es kracht gewaltig zwischen Frauke Petry (AfD) und Katja Kipping (Die Linke).

In Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird am Sonntag gewählt, und alles dreht sich dabei um die aktuelle Flüchtlingspolitik. Maybrit Illner lädt in einer Spezialausgabe zum Thema Spitzenpolitiker und Bürger zum Dialog ein.

Die Sendung startet weitgehend gesittet. Ein Familienvater aus Ostfildern in Baden-Württemberg schildert Grünen-Politikerin Claudia Roth seine Ängste.

Bei "Maischberger" steht statt des Themas die AfD im Mittelpunkt.

In dem Ort soll ein neues Flüchtlingsheim für männliche Asylbewerber entstehen. Und das direkt vor der Haustür des Familienvaters Christian Snurawa, mitten in einem Wohngebiet von Familien.

Ein Betreuer auf 99 Asylbewerber

In dem neuen Heim soll auf 99 Flüchtlinge lediglich ein Betreuer kommen – eine Mammutaufgabe. Snurawa macht sich Sorgen. Seiner Ansicht nach hätte ein Heim mit Familien besser in den Stadtteil gepasst und die Integration leichter gemacht.

Claudia Roth kontert, Familiennachzug sei von der Bundesregierung dank des Asylpakets II vorerst unmöglich gemacht worden. Sie verteidigt außerdem die umstrittene Asylunterkunft in Ostfildern.

Es habe einen einstimmigen Beschluss des Gemeinderates gegeben, und auch der Landkreis habe die Lage geprüft. "Da hat sich Ihre Interessengemeinschaft noch gar nicht gemeldet", sagt Roth.

Im Flüchtlingslager harren Tausende unter widrigsten Umständen aus.

Das Gespräch macht deutlich, wie Politiker und Bürger aneinander vorbeireden: Roth findet es schön, dass die Heimat "bunter und vielfältiger" wird - Sorgen und Ängste lösen sich deshalb nicht in Luft auf.

Katja Kipping und Frauke Petry werden laut

Hitzig wird die Diskussion, als AfD-Chefin Frauke Petry und Katja Kipping (Die Linke) aufeinandertreffen. Keine der beiden Frauen lässt die andere ausreden. Der ebenfalls eingeladene CDU-Politiker Thomas Strobl scheint nicht recht zu wissen, wie ihm geschieht.

Es wirkt, als wäre Strobl nur ein Puffer, um die Politikerinnen davon abhalten, sich körperlich anzugehen. Kipping wirft der AfD vor, "äußerst unsozial" zu sein. Petry kontert damit, dass die Linke "unrealistische Politik" betreibe.

Die Suche nach Lösungen rückt in diesem Streitgespräch völlig in den Hintergrund. Katja Kipping fordert von Petry lautstark, sie möge einmal zuhören – die AfD-Chefin entgegnet daraufhin trocken: "Sagen Sie mal, sind Sie Oberlehrer oder was?"

Als Thomas Strobl in Petrys Augen die Frechheit besitzt, sie zu bitten, sie möge doch auf die ihr gestellte Frage antworten, giftet sie: "Sind Sie jetzt der Co-Moderator?"

Kopftuch tragende Muslima kommt zu Wort

Ins Gespräch kommt Thomas Strobl mit der Mainzer Studentin Emine Aslan. Die Kopftuch tragende Muslima sieht das größte Problem darin, dass Alltagsrassismus salonfähig geworden sei.

Aslan ist integriert und gebildet – und fühlt sich trotzdem oft von der Gesellschaft nicht angenommen. Probleme bei der Wohnungssuche, Vorurteile und Zurückweisung kennt die junge Frau ihr ganzes Leben.

Schließung der Balkanroute wirkt sich auch auf Deutschland aus.

Auf Maybrit Illners Kopftuchfrage entgegnet Strobl: "Wir sind ein freies Land. Jeder darf Kopftuch tragen." In seiner Heimatstadt Heilbronn funktioniere das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen gut.

Arbeitsmarktfrage bleibt ungeklärt

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) diskutiert mit dem FDP-Parteivorsitzenden Christian Lindner über die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Zwar wird es wieder lauter, das Gespräch bleibt aber sachlich.

Nahles beanstandet, dass viele Flüchtlinge lange nicht arbeiten dürften. Lindner kontert: "Dafür brauchen wir endlich ein Einwanderungsgesetz und müssen die bürokratischen Hürden senken!"

Uneinig sind sich die beiden Politiker vor allem in der Frage um die Entlohnung von Flüchtlingen. Während Lindner Asylbewerbern den Mindestlohn nicht zugestehen will, hält Nahles das für einen falschen Impuls.

"Kleiner Versuch" vor den Landtagswahlen

Die Sendung platzt inhaltlich wie Gäste-technisch aus allen Nähten. Gastgeberin Maybrit Illner bezeichnet sie zuletzt als "kleinen Versuch einer Statusmeldung drei Tage vor den Landtagswahlen."

Viele Themen werden angekratzt, und es wird nur wenig nach Lösungen gesucht. Sechs deutsche Bürger kommen als Stellvertreter für das Volk zu Wort, doch ihre Bedenken und Probleme werden von den Politikern oftmals nur am Rande beachtet.

Bis auf ein paar aktuelle Umfrageergebnisse aus Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die Co-Moderator Daniel Bröckerhoff präsentiert, spielen die anstehenden Landtagswahlen keine weitere Rolle.

Der Informationsgehalt bleibt in dem verhaftet, was aus vielen Debatten in der Flüchtlingskrise bekannt ist. Einen Unterhaltungswert hat die Sendung jedoch allemal - dank dem Zicken-Zoff zwischen Katja Kipping und Frauke Petry.