Berlin (dpa) - Die islamkritische Pegida-Bewegung in Dresden hat nach Einschätzung des Protestforschers Dieter Rucht ihren Zenit erreicht und wird in absehbarer Zeit wieder verschwinden.

"Wir haben den Höhepunkt von Pegida gesehen und er ist vielleicht schon überschritten. Pegida wird sukzessive an Zulauf verlieren", sagte der Fachmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) Berlin am Montag. Es handle sich um eine "schnell aufsteigende und ich vermute auch schnell wieder sinkende Bewegung". Ob die Absage der Demonstration an diesem Montag wegen Terrordrohungen den Prozess beschleunige oder bremse, sei unklar.

Bündnis konkretisiert Programm und äußert sich zu Terrordrohungen.

Rucht stellte Ergebnisse einer Untersuchung von Wissenschaftlern aus Berlin, Chemnitz und Bochum zur Pegida-Bewegung vor, die nach ihren Angaben jedoch nicht repräsentativ und daher nur unter Vorbehalt anzuwenden ist. "Wir können nichts über den typischen Pegida-Demonstranten sagen", stellte Rucht klar und erläuterte, nur 123 Teilnehmer der Pegida-Demonstration vom 12. Januar hätten an der Internet-Umfrage teilgenommen. Das seien deutlich zu wenig, um die Resultate auf die gesamte Bewegung zu übertragen.

Gleichwohl gingen Rucht und andere Wissenschaftler davon aus, dass sich eher Menschen mit gemäßigteren Einstellungen und weniger die ebenfalls vertretenen Rechtsextremisten an den Demos der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) beteiligen. Es lasse sich feststellen, dass Pegida männerdominiert sei, meist aus Angestellten mit guter Bildung bestehe, kein Vertrauen in staatliche Institutionen habe, der AfD zugeneigt sei und teilweise rechtspopulistischen bis zu rechtsextremen Thesen anhänge. © dpa