Schwerin (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat seine Kritik an der Linkspartei angesichts der in Thüringen angestrebten rot-rot- grünen Regierungskoalition verteidigt.

In einer Matinee mit Moderatorin Anne Will im NDR-Landesfunkhaus in Schwerin sagte er, er sei damit nicht zu weit gegangen. Allerdings habe sich seine Formulierung nur auf Teile der Linken bezogen. "Die Partei in toto war gar nicht angesprochen", sagte er.

Gauck hatte sich mit Blick auf die mögliche Wahl des Linke-Politikers Bodo Ramelow zum Ministerpräsidenten in Thüringen skeptisch gezeigt, ob sich die Partei weit genug von der Linie der SED und ihrer Unterdrückungspolitik in der DDR entfernt habe. Für die Äußerung war Gauck nicht nur von der Linken, sondern auch aus SPD und Grünen kritisiert worden. "Das gehört dazu, dass man mit Kritik umgehen kann", sagte der frühere Pastor aus Rostock in der Sendung.

Der "Massenexodus" aus der DDR im Sommer und Herbst 1989 hat die Bürgerbewegung dort nach den Worten Gaucks "richtig gepuscht". Das sei eine "zornige Entschlossenheit" gewesen, sagte Gauck. Die Ausreise seiner Söhne in den Westen habe er ein paar Jahre vorher noch kritisiert. "Jeder, der ging, machte uns noch schwächer." Als seine Tochter Gesine im Juni 1989 in den Westen ging, habe er das dann gutgeheißen.© dpa