Die Polizei kommt in Deutschland einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche - und schlägt zeitgleich in drei Bundesländern zu. Als Anschlagsziel war Berlin im Gespräch. Wer sind die Verdächtigen und was genau hatten sie geplant? Ein Überblick.

  • Foto soll militärische Ausbildung des Hauptverdächtigen in Syrien belegen
  • Offenbar bestand Kontakt zu dem IS-Planungschef für Terroranschläge im Ausland
  • Hauptverdächtiger und Ehefrau könnten gezielt nach Deutschland geschickt worden sein, um Attentate zu verüben

Wie lief die Razzia in der Islamisten-Szene ab?

Die Polizei hat in drei Bundesländern Razzien gegen mutmaßliche Islamisten durchgeführt: Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Terrorverdächtiger hatte wohl auch Kontakt zu Pariser Attentätern.

Allein in Berlin durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe. Dabei wurde der Arbeitsplatz eines Verdächtigen, ein Backshop am Berliner Alexanderplatz, durchsucht.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Sichergestellt wurden Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen.

Was sind die neuesten Ermittlungen?

Die Ermittler haben mittlerweile ein Foto von dem Hauptverdächtigen veröffentlicht. Auf dem Foto sind auch Waffen zu sehen. Zudem liegen der Polizei offenbar weitere Fotos vor. Diese "sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders Ernst genommen haben", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei bereits zuvor.

Nach Informationen des "Spiegel" posiert der Verdächtige auf einem der Bilder neben Leichen. Zudem gebe es ein Foto, das ihn beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter zeige, die für die Pariser Terrorserie im November verantwortlich sein sollen.

Gegen wen wird ermittelt?

Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Es gab drei Festnahmen.

Einer der Verdächtigen, der bei einer Durchsuchung in Hannover aufgegriffen, aber nicht festgenommen wurde, hat Verbindungen zu belgischen Islamisten. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist.

Dort lebte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13.November, Abdelhamid Abaaoud.

Wer ist der Hauptverdächtige?

Als Hauptverdächtiger gilt ein 34-Jähriger Algerier, der in einem Flüchtlingsheim in Attendorn im Sauerland festgenommen wurde - jedoch nicht wegen der möglichen Anschlagsplanungen. Auch seine Ehefrau wurde festgenommen.

Beiden wird von algerischen Behörden Mitgliedschaft in der IS-Terrormiliz vorgeworfen. Sie waren mit internationalen Haftbefehlen gesucht worden.

Der 34 Jahre alte Hauptverdächtige, der wahrscheinlich auch militärisch ausgebildet und laut Polizei im syrischen Kampfgebiet gewesen ist, kam offenbar über die sogenannte Balkanroute Ende Januar nach Bayern und wurde dort als Flüchtling registriert.

Wer hat den Hauptverdächtigen geschickt?

Wie die "Welt" berichtet, stand der Hauptverdächtige in Kontakt zum IS-Planungschef für Terroranschläge im Ausland und wurde zusammen mit ihm fotografiert.

Er und seine Ehefrau sind möglicherweise gezielt von den Planern des IS nach Deutschland geschickt worden, um Attentate zu verüben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen vom Freitag gehen die Ermittler entsprechenden Indizien nach.

Einen Beleg dafür haben die Fahnder demnach jedoch nicht - sie erhoffen sich weitere Hinweise aus der Auswertung von Computern und Mobiltelefonen, die sie bei der Anti-Terror-Razzia sichergestellt hatten.

Wir wollen uns von Islamisten nicht das Leben diktieren lassen. Klappt das?

Der Mann soll im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden. Der Richter werde über den Erlass einer "Festhalte-Anordnung" gegen den 34-Jährigen entscheiden, so ein Sprecher des zuständigen Oberlandesgerichts Hamm.

Die Frau ist im Fall der mutmaßlichen Anschlagsplanung in Berlin bislang keine Beschuldigte, gilt aber als mögliche Kontaktperson.

Wie gerieten die Verdächtigen ins Visier der Ermittler?

Die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorzelle hatten nach Informationen aus Sicherheitskreisen verschlüsselt kommuniziert und unter großer Geheimhaltung verdeckt operiert.

Um den Jahreswechsel herum hätten sich die Erkenntnisse gegen die Männer verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten.

Zuletzt war das Abhören ihrer Telefonate den Behörden zufolge aber nicht mehr ergiebig. Demnach gab es dabei in den vergangenen Tagen keine weiteren Informationen, die Erkenntnisse im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Anschlagsplänen erhärtet hätten.

Möglicherweise hätten die Verdächtigen geahnt, dass sie überwacht wurden. Zudem hätten sie ihre Kommunikationsmittel ständig gewechselt und unter anderem auch Mobiltelefone weggeworfen.

Was planten die mutmaßlichen Islamisten?

Die vier mutmaßlichen Anhänger der Terrormiliz IS haben womöglich einen Anschlag in der deutschen Hauptstadt geplant. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde ihr Vorhaben im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele waren noch nicht ausgekundschaftet.

Die verdächtigen Islamisten hatten sich nach dpa-Informationen in abgehörten Telefonaten über mögliche Anschlagsziele in Berlin unterhalten. Medien berichten, die mutmaßlichen Terroristen hätten einen Terroranschlag am Alexanderplatz oder am "Checkpoint Charlie" geplant.

"Das ist etwas, was wir überhaupt nicht bestätigen können - weder was den 'Alex' betrifft, noch was den 'Checkpoint Charlie' betrifft", sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Donnerstag in der RBB-"Abendschau" dazu - und: "Ein bisschen Zurückhaltung in der Frage wäre angebracht - statt Hysterie."

Wie ist die aktuelle Bedrohungslage?

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. "Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein." Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

Der Verfassungsschutz hat nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen kurzfristig geplanten Anschlag. "Es gab konkrete Hinweise darauf, dass es Leute in Deutschland gibt, die Planungen verfolgen, Anschläge zu begehen", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. "Aber es gab keinen konkreten Hinweis auf eine konkret bevorstehende terroristische Straftat."

Bruno Schirra spricht über die Wurzeln des Terrors und eine düstere Zukunft.

Die Sicherheitsbehörden, die Nachrichtendienste und die Polizeibehörden seien sehr alarmiert. "Unser Ziel ist es, das Risiko so gut es geht zu minimieren. Die Maßnahmen, die gestern durchgeführt worden sind, dienten auch der Risikominimierung, dass es gerade nicht zu einer Realisierung von Terroranschlägen kommen kann."

Gibt es einen Zusammenhang zu Terrorwarnungen in München und Hannover?

Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November 2015 sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es in Sicherheitskreisen.

Auch konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen Karnevalsumzüge gab es bei den Behörden nicht. In Sicherheitskreisen wurde ein solcher Zusammenhang aber auch nicht ausgeschlossen. (far/cai/dpa)

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