Die Polizei ist am Donnerstagmorgen zum Großeinsatz gegen mutmaßliche Islamisten ausgerückt. Seit Wochen hatten sie eine Gruppe von Algeriern im Visier. Die Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" sollen Anschläge geplant haben, offenbar in Berlin. Laut "Bild.de" soll unter anderem der Alexanderplatz Ziel gewesen sein.

Darmstädter Student wirbt in Video für die Terrormiliz.

In drei Bundesländern hat es am Donnerstagmorgen Razzien gegen mutmaßliche Islamisten gegeben. Wie das Landeskriminalamt Berlin und die Generalstaatsanwaltschaft mitteilen, wurden in Berlin vier Wohnungen und zwei Arbeitsstellen durchsucht.

Zeitgleich fanden Durchsuchungen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen statt.

Allein in Berlin durchsuchten 450 Polizisten vier Wohnungen und zwei Betriebe.

Wie die Polizei weiter mitteilt, richten sich die Ermittlungen vor allem gegen vier Personen der dschihadistischen Szene wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Die vier Männer sollen Gewalttaten in Deutschland geplant und Kontakte zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben.

35-jähriger Algerier festgenommen

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde der Hauptverdächtige, ein 35-jähriger Algerier, am Donnerstag im nordrhein-westfälischen Attendorn festgenommen.

Der Hauptverdächtige hielt sich offenbar in einem Erstaufnahmeauflager für Flüchtlinge in Attendorn auf. Der Mann wird wegen Zugehörigkeit zur Terrorgruppe IS auch von algerischen Behörden gesucht. Er soll in Syrien militärisch ausgebildet worden sein.

Algerischen Behörden hatten zuvor einen Haftbefehl gegen den 35-Jährigen erlassen. Wie Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich am Donnerstag mitteilte, habe die Polizei dem Festnahme-Ersuchen der algerischen Seite gegen den Verdächtigen entsprochen.

Ein zweiter Algerier wurde in Berlin festgesetzt.

Suche nach 26-Jährigem

Weiter gesucht wird laut Polizei nach einem 31-Jährigen in Berlin und einem 26-Jährigen in Hannover.

Der in Hannover gesuchte IS-Terrorverdächtige hatte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen Verbindungen zur belgischen Islamistenszene. Der 26-Jährige sei vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Gemeinde Molenbeek gereist, hieß es.

Dort hatte auch der getötete mutmaßliche Drahtzieher der islamistischen Anschläge in Paris vom 13. November, Abdelhamid Abaaoud, gelebt. Molenbeek gilt als Islamistenhochburg.

Gruppe von Algeriern im Visier

Gegen die Männer wird bereits seit mehreren Wochen ermittelt. Die Erkenntnisse hätten sich um den Jahreswechsel herum verdichtet. Demnach wollte die Gruppe in Berlin zusammenkommen, um Attentate vorzubereiten. Wie weit die Pläne bereits fortgeschritten waren, war zunächst offen.

Offenbar hatten die Islamisten den Berliner Alexanderplatz im Visier. Das berichtet "Bild.de" unter Berufung auf Ermittlerkreise. "Es geht um mögliche Anschlagsplanungen für Deutschland - konkret für Berlin", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Martin Steltner, auf eine Nachfrage der "Zeit". Konkreter sei der Beamte der Zeitung gegenüber nicht geworden.

Nach den Informationen erhielt die Polizei den ersten Hinweis auf den Hauptverdächtigen in NRW vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Bei den weiteren Ermittlungen seien Kontakte des Mannes zu Islamisten in Berlin und Hannover festgestellt worden.

Das Berliner Landeskriminalamt leitete die Aktion der zeitgleichen Durchsuchungen. Die Polizei stellte bei den Durchsuchungen Computer, Mobiltelefone und Aufzeichnungen sicher.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) erklärte, die Bedrohungslage durch militante Islamisten bleibe hoch. "Wir haben weiterhin allen Grund, wachsam und vorsichtig zu sein." Ein konsequentes Vorgehen gegen die Islamistenszene sei geboten - vor allem, wenn es um mögliche IS-Bezüge geht.

(far/dpa)

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