Istanbul (dpa) - Bei diplomatischen Verstimmungen zwischen Staaten spielt der Botschafter eine Schlüsselrolle. Er kann je nach Schärfe des Konflikts eingeladen, einbestellt oder ausgewiesen werden.

Eine EINLADUNG ist die sanfteste Form der Kritik. Der Botschafter wird höflich zum Gespräch gebeten. Das soll den Eindruck vermeiden, dass ernsthafte Spannungen zwischen beiden Ländern bestehen.

Die förmliche EINBESTELLUNG ist wesentlich schärfer und signalisiert größere Verstimmung. Vor wenigen Tagen war der deutsche Botschafter in der Türkei wegen einer NDR-Fernsehsatire ins Außenministerium einbestellt worden.

Reicht eine Einbestellung nicht mehr aus, folgt die Anweisung zur ABBERUFUNG des Botschafters. Laut dem "Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen" kann ein Staat einen Diplomaten für unerwünscht erklären. Der Entsendestaat hat dann Zeit, um die "persona non grata" abzuberufen. Geschieht das nicht, wird der Diplomat ausgewiesen.

Die Abberufung eines Botschafters erfolgt nur bei schweren diplomatischen Verwerfungen. So wies die Türkei 2011 den israelischen Botschafter aus und zog ihren eigenen Botschafter aus Israel ab, nachdem israelische Soldaten bei der Erstürmung einer Gaza-Hilfsflotte neun türkische Aktivisten getötet hatten.© dpa