Zoff bei den Linken: Sahra Wagenknecht will nicht für den Fraktionsvorsitz kandidieren. Sie zieht damit Konsequenzen aus einer Abstimmung über die Verlängerung des griechischen "Hilfsprogramms". Die Zustimmung ihrer Fraktion sieht sie als Affront.

Sahra Wagenknecht wird im Herbst nicht für die Funktion der Fraktionsvorsitzenden für Die Linke kandidieren. Das gab die Politikerin in einer persönlichen Mitteilung auf ihrer Webseite bekannt.

Als Grund nennt Wagenknecht, die große Zustimmung ihrer Fraktion für den Antrag der Bundesregierung auf Verlängerung des griechischen "Hilfsprogramms". "Ich halte es für einen strategischen Fehler", schreibt die Abgeordnete der Linksfraktion.

Gleichzeitig stellt Wagenknecht klar, dass sie die Syriza-Regierung in ihrem Bemühen, Griechenland aus der Krise zu führen, unterstütze. "Aber wir haben im Bundestag nicht über das griechische Regierungsprogramm abgestimmt, sondern über einen Antrag der Bundesregierung, der auf genau diese katastrophale Politik der Auflagen und Kürzungsdiktate positiv Bezug nimmt und ihre Fortsetzung einfordert."

Wagenknecht moniert Umgang miteinander

Euro-Gruppe hält an Forderungen gegenüber Athen fest.

Wagenknecht betont in ihrem Statement, dass ihre Entscheidung nicht nur inhaltliche Gründe habe. Der Verlauf der Fraktionssitzung vom 27. Februar markiere für die Politiker zudem einen Umgang miteinander, den sie nicht akzeptiere.

"Dass mir die Fraktion per Mehrheitsbeschluss verweigert, ihr auch nur meine Argumente für ein anderes Stimmverhalten vorzutragen – bei einem Thema, für das ich seit 2010 öffentlich an vorderster Stelle die Positionen der Linken vertrete – ist ein offener Affront und unterstreicht, dass ein Teil der Fraktion in eine andere Richtung gehen möchte als ich sie für sinnvoll halte."

Die 45-Jährige ist seit 2011 Erste Stellvertretende Vorsitzende von Fraktionschef Gregor Gysi. Die nächste Wahl der Fraktionsspitze steht bei der Linken im Herbst diesen Jahres an. Wagenknecht ist die Lebensgefährtin des ehemaligen Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine.

Sie bestand bislang darauf, dass die Fraktion ab dem Herbst von einer Doppelspitze geführt wird, wie dies ein Parteitag im vergangenen Jahr verlangt hatte. Wagenknecht galt neben Dietmar Bartsch vom gemäßigten Reformflügel als aussichtsreichste Kandidatin für den Fraktionsvorsitz. Gysi hält den Parteitagsbeschluss dagegen für nicht bindend. (far/dpa)