Das geplante Treffen Horst Seehofers mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban wird heftig kritisiert. SPD und Grüne werfen dem CSU-Chef vor, Kanzlerin Angela Merkel damit in den Rücken zu fallen.

Politiker von SPD und Grünen haben den bevorstehenden Besuch von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) beim ungarischen Regierungschef Viktor Orban scharf kritisiert.

Affront gegen Flüchtlingspolitik

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley wertete die Reise gegenüber der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag als Affront gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

"Wer sich öffentlich mit den ärgsten Gegnern einer europäischen Lösung verbrüdert, ist keine verlässliche Stütze der Bundeskanzlerin", sagte sie. Horst Seehofer falle der Bundeskanzlerin mal wieder in den Rücken.

Kein gemeinsamer Ansatz bei der Flüchtlingspolitik in Sicht.

Auch von den Grünen kam Kritik: "Der Besuch kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt", erklärte Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Bundestagsfraktion. "Seehofer schwächt die Verhandlungsposition der Bundesregierung beim EU-Gipfel am Montag. Der CSU-Chef schadet den deutschen Interessen."

Seehofer trifft sich am Mittag zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Ungarns Ministerpräsident Orban in Budapest. Im Mittelpunkt des Treffens dürfte die weitere Bewältigung der europäischen Flüchtlingskrise stehen. Trotz scharfer deutscher Kritik an Orban, der schon im vergangenen Herbst in Ungarn als dem ersten Land in Europa einen Grenzzaun zum Stopp von Flüchtlingen errichten ließ, suchte Seehofer wiederholt den Schulterschluss mit dem ungarischen Regierungschef.

Seehofer hintertreibt Europa-Lösung

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) wirft CSU-Chef Horst Seehofer vor, die von der Kanzlerin angestrebte europäische Lösung in der Flüchtlingskrise aufs Spiel zu setzen.

Maas sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: "Niemand sollte eine europäische Einigung hintertreiben."

Die Europäische Union stehe beim Sondertreffen mit der Türkei am Montag vor einer historischen Bewährungsprobe. "Der Gipfel in der kommenden Woche wird über die Zukunft Europas mitentscheiden", betonte der SPD-Politiker.

Vor einem Monat hatte Seehofer bereits mit seiner Reise nach Moskau zum russischen Präsidenten Wladimir Putin für Verstimmung in der Koalition gesorgt.

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel kritisiert Seehofer scharf. "Statt Merkel zu unterstützen verbündet er sich mit ihrem größten Gegner. Ich halte es für verantwortungslos, der Kanzlerin kurz vor dem entscheidenden Gipfel derartig in den Rücken zu fallen", sagte Gabriel in der "Bild"-Zeitung. (far/ thp/ dpa/ AFP)

Starker Regen hat das Flüchtlingslager im nordgriechischen Idomeni am Freitagmorgen in eine Schlammwüste verwandelt. Mehr als 12.000 Migranten kämpften mit einem "Meer aus Schlamm und Wasser", berichtete ein dpa-Reporter.

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