Die türkische Regierung steht derzeit wegen ihres Umgangs mit kritischen Journalisten und Oppositionellen heftig in der Kritik. "Spiegel"-Korrespondent Hasnain Kazim hat das jetzt zur spüren bekommen und wurde aus dem Land abgezogen.

Die Türkei hat dem "Spiegel"-Korrespondenten Hasnain Kazim die Verlängerung seiner Presse-Akkreditierung verweigert. Kazim sei daher aus dem Land abgezogen worden, teilte "Spiegel Online" am Donnerstag mit.

"Das Verhalten der türkischen Behörden lässt für uns keinen anderen Schluss zu, als dass unser Korrespondent aufgrund seiner journalistischen Berichterstattung vor Ort nicht mehr erwünscht ist", erklärte "Spiegel Online"-Chefredakteur Florian Harms.

Die Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Journalisten sei an die Akkreditierung geknüpft, hieß es in der Mitteilung auf "Spiegel Online" weiter. Der "Spiegel" habe sich monatelang um eine Verlängerung bemüht. Hasnain Kazim könne "nicht mehr frei im Land arbeiten" und sei abgezogen worden. Er berichte nun von Wien aus für "Spiegel" und "Spiegel Online" über die Türkei.

"Spiegel Online"-Chefredakteur Harms kritisierte, das Verhalten der türkischen Behörden verletze die Pressefreiheit und sei nicht tolerabel. Kazim habe in vielen Berichten "fair, aber kritisch Missstände und Fehler der Regierung beleuchtet". Das tue jeder "gute Journalist".

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Die türkische Regierung steht derzeit wegen ihres Umgangs mit kritischen Journalisten und Oppositionellen heftig in der Kritik. Unter anderem hatte sie regierungskritische inländische Medien unter Zwangsverwaltung gestellt und Journalisten mit Klagen unter Druck gesetzt. Kritiker sehen die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei bedroht.

Nach Einschätzung von Hendrik Zörner vom Deutschen Journalistenverband (DJV) zeigt die Angelegenheit erneut die ernsten Folgen der "pressefeindlichen Politik der türkischen Regierung". Kazim sei nicht der erste ausländische Journalist, der das Land verlassen habe, schrieb Zörner am Donnerstag in einem Blogbeitrag auf der DJV-Homepage. Auch Berichterstatter der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der norwegischen Zeitung "Aftonbladet" seien ausgereist. Weitere Journalisten dürften darüber nachdenken.© AFP