Stuhr (dpa) - Nach Jahrzehnten im Untergrund haben drei gesuchte Linksterroristen der Roten Armee-Fraktion frische Spuren hinterlassen: Höchstwahrscheinlich sind sie es, die im Juni schwer bewaffnet einen Geldtransporter in Niedersachsen überfallen haben.

Nach dem missglückten Raubüberfall auf einem Supermarktparkplatz in Stuhr bei Bremen wurden die genetischen Fingerabdrücke von Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg gefunden. Diese Informationen des NDR wurden der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen bestätigt.

Alle drei sollen dem NDR-Bericht zufolge unter anderem 1993 an dem spektakulären Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Hessen beteiligt gewesen sein. Auch damals seien ihre DNA-Spuren gefunden worden.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die RAF der Inbegriff von Terror und Mord. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. Ihrem "bewaffneten Kampf" gegen das "imperialistische System" fielen Dutzende zum Opfer, darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik. Einige Mitglieder sind bis heute verschwunden und stehen auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts (BKA).

Im Tatfahrzeug ichergestellte DNA-Spuren wurden den drei seit Jahrzehnten untergetauchten Ex-RAF-Terroristen Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg zugeordnet.

Weder das BKA noch die Staatsanwaltschaft Verden und auch nicht das Landeskriminalamt und die Polizei in Diepholz wollten am Vormittag auf dpa-Anfrage etwas über die Gesuchten oder den Ermittlungsstand sagen.

Bei dem Überfall in Stuhr hatten drei Maskierte den gepanzerten Geldtransporter am helllichten Tag mit einem VW-Bulli blockiert und mit einem Schnellfeuergewehr auf den Transporter geschossen. Den Tätern gelang es aber nicht, ins Auto zu gelangen. Sie flüchteten ohne Beute in einem Ford "Focus". Nach dem Überfall wurden die DNA-Spuren entdeckt, die jetzt den dreien zugeordnet wurden. Eine Sonderkommission suchte mit Phantombildern nach Hinweisen, zudem wurde von privater Seite eine Belohnung ausgesetzt.

Dem NDR-Bericht zufolge wurden Spuren der drei gesuchten RAF-Mitglieder auch nach einem Überfall 1999 in Duisburg auf einen Geldtransporter entdeckt, der nach ähnlichem Muster verlief.

Vorläufer der RAF war die nach dem Kaufhaus-Brandstifter Andreas Baader und der Journalistin Ulrike Meinhof benannte Baader-Meinhof-Gruppe. Nach der Studentenrevolte der 1960er Jahre konzentrierte diese "erste Generation" ihre Gewalttaten bis 1972 vor allem auf US-Einrichtungen. Als der "harte Kern" hinter Gittern saß, setzte die "zweite Generation" die Terrorserie fort.

Danach formierte sich eine "dritte Generation" der RAF mit einer namentlich kaum bekannten "Kommando-Ebene". Auf ihr Konto sollen mehrere Morde gehen - etwa an dem MTU-Vorstandschef Ernst Zimmermann (1985), dem Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), dem Bonner Spitzendiplomaten Gerold von Braunmühl (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder (1991). Bis heute wissen die Ermittler nicht, wer die Täter waren.© dpa