Minsk (dpa) - Vor einem Treffen mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Moskau hat Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow die Erwartungen gedämpft.

"Wir schätzen den regelmäßigen Dialog mit Berlin, aber niemand erwartet einen Durchbruch in der Ukraine-Frage", sagte Lawrow am Dienstag der Agentur Interfax zufolge in Minsk. Das Treffen mit Steinmeier werde nicht alle Probleme auf einen Schlag lösen. "Für Russland ist wichtig, dass Deutschland als führendes Land in der Europäischen Union mithilft, Lösungen zu finden", sagte er.

Steinmeier traf am Morgen in Kiew ein und wurde am späten Nachmittag in Moskau erwartet. In der ukrainischen Hauptstadt wollte er mit Präsident Petro Poroschenko und Regierungschef Arseni Jazenjuk sprechen. Dabei soll es um Möglichkeiten gehen, der brüchigen Waffenruhe im Osten des Landes mehr Geltung zu verschaffen. Der anschließende Besuch in Moskau ist für Steinmeier die erste Reise in Russlands Hauptstadt seit der Annexion der Halbinsel Krim im März.

Lawrow sagte, er rechne trotz der Strafmaßnahmen in der Ukraine-Krise auf eine Verbesserung der Beziehungen zur Europäischen Union. Die EU sei der größte und wichtigste Handelspartner Moskaus. "Wir hoffen, dass der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, noch nicht erreicht ist", sagte Lawrow in der weißrussischen Hauptstadt. "Russland wird den Westen nicht anflehen, die Sanktionen aufzuheben."

Im Krisengebiet Ostukraine kam es unterdessen zu erneuten Gefechten zwischen der Armee und moskautreuen Separatisten. Dabei seien mindestens fünf Soldaten getötet worden, teilte die prowestliche Führung in Kiew mit. Auch mehrere Aufständische sollen ums Leben gekommen sein. In Donezk starb mindestens ein Zivilist beim Beschuss einer Wohnsiedlung, wie die Verwaltung der Großstadt mitteilte.© dpa