Wenn es um den Krieg in Syrien geht, dann kommen Russland und der Westen kaum auf einen gemeinsamen Nenner. Noch vor den Münchner Syrien-Verhandlungen hatte der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew gar vor einem dritten Weltkrieg gewarnt. Zudem schießt er scharf gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Im Falle der Entsendung westlicher oder arabischer Bodentruppen nach Syrien bestünde die Gefahr eines neuen Weltkrieges. Bodentruppen würden den Krieg in Syrien nur auf unabsehbare Zeit verlängern, sagte Dmitri Medwedew dem "Handelsblatt".

Drei-Punkte-Plan steht. Von einem Durchbruch will aber niemand reden.

Angesichts der vielen verschiedenen Kriegsparteien in Syrien sprach sich Medwedew für Verhandlungen als alleinige Möglichkeit zur Beendigung des Konflikts aus.

Bei dieser Forderung spart Russlands Ministerpräsident die Tatsache aus, dass russische Spezialeinheiten zusammen mit iranischen Kräften und der Hisbollah selbst auf syrischem Territorium operieren.

Zudem fliegen russische Bomber seit Monaten verheerende Angriffe, um oppositionelle Rebellengruppen zurückzudrängen und das Regime um Baschar al-Assad zu stärken. Eines der Opfer dieser Strategie ist aktuell die völlig zerstörte Stadt Aleppo.

Medwedews Worte klingen nach einer Drohung

Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, Saudi-Arabien, einer von Assads ärgsten Widersachern und ein Gegenspieler des Iran, spiele mit dem Gedanken, ebenfalls eigene Bodentruppen nach Syrien zu entsenden.

Die Motivation wäre, wie auch im Falle der russischen Intervention, kaum mehr mit einem Kampf gegen den sogenannten "Islamischen Staat" zu begründen, sondern würde auf eine Unterstützung der Rebellen zielen. Es waren möglicherweise diese Gerüchte, die Medwedew zu seiner drastischen Wortwahl bewogen hatten.

"Alle Seiten müssten gezwungen werden, am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, anstatt einen neuen Weltkrieg auszulösen", meine Dmitri Medwedew. Eine Aussage, die auch als Warnung verstanden werden kann. Bei den Friedensgesprächen unter der Führung des UN-Sondergesandten Staffan de Mistura, war es vor allem Russland, das während der Verhandlungen in Syrien weitere Angriffe geflogen hatte.

Dass die Syrien-Kontaktgruppe bei ihrem Treffen in München nun eine erste Einigung erzielt hat, nährt zwar die Hoffnung, dass sich die Lage in Syrien endlich verbessern kann. Denn binnen einer Woche sollen die Waffen in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land schweigen. Dennoch wird das Ergebnis des Treffens nur sehr vorsichtig beurteilt.

Medwedew kritisiert Merkel scharf

Auch in der Flüchtlingskrise sind die Fronten zwischen Russland und Deutschland bzw. der Europäischen Union weiter verhärtet. Medwedew erklärte im "Handelsblatt": "Die europäische Migrationspolitik ist völlig gescheitert. Alles ist ganz furchtbar".

Es sei doch "einfach dumm, die europäischen Türen breit zu öffnen und alle einzuladen, die zu euch kommen wollten", sagte er auch mit Blick auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

So sehen Experten Bedrohung durch als Flüchtlinge getarnte Terroristen.

Medwedew nannte es ein völlig unkalkulierbares Sicherheitsrisiko, Hunderttausende Flüchtlinge weitgehend unkontrolliert durch die EU wandern zu lassen.

Viele Flüchtlinge kämen wegen der hohen Unterstützungszahlungen nach Deutschland, andere als Terroristen, sagte Medwedjew. Denn unter den Kriegsflüchtlingen seien auch "Hunderte oder sogar Tausende Schurken".

(mwy/ska)

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