Brüssel (dpa) - Der Tag nach der Terrorserie mit mindestens 31 Toten von Brüssel: Belgien gedenkt der Opfer, Europa trauert mit. Die Ermittlungen kommen voran. Aber viele Fragen sind noch offen.

WIE LIEFEN DIE ANSCHLÄGE AM FLUGHAFEN UND IN DER U-BAHN AB?

Die Terrorserie beginnt um 07.58 Uhr mit zwei Explosionen auf dem Flughafen, kurz hintereinander. Zwei Männer sprengen sich in die Luft. Ein dritter Komplize tut dies nicht - warum, weiß man nicht. Er überlebt, kann fliehen. Das Trio kam mit dem Taxi zum Flughafen. Beim Gepäck wollten sich die drei keinesfalls helfen lassen.

Um Punkt 09.11 Uhr zündet ein weiterer Terrorist eine Bombe im mittleren von drei U-Bahn-Wagen in der Metro-Station Maelbeek. Wie er dorthin kam und ob er dort Mittäter hatte, weiß man nicht. Am Flughafen kann er eigentlich nicht gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft gibt aus ermittlungstaktischen Gründen keine weitere Auskunft.

WER STECKT HINTER DEN ANSCHLÄGEN?

Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw bestätigte am Mittwoch in Brüssel, dass es sich bei zwei Selbstmordattentätern um die Brüder Ibrahim (29) und Khalid (27) El Bakraoui handelt. Beide waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener - nicht terroristischer - Straftaten polizeibekannt. Am Dienstag sprengte sich der Ältere auf dem Flughafen in die Luft. Kurze Zeit später zündete der Jüngere eine Bombe in der Metro-Station Maelbeek im Brüssler Europa-Viertel.

Die Polizei hatte schon am Dienstag ein Bild von einer Video-Überwachungskamera am Flughafen veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Belgische Medien berichteten am Mittwochabend, inzwischen hätten die Ermittler auch den zweiten Selbstmordattentäter vom Flughafen identifiziert. Bei ihm soll es sich um den im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris gesuchten Najim Laachraoui (24) handeln. Dies wurde allerdings zunächst nicht offiziell bestätigt. Laachraoui soll - zusammen mit Salah Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde - einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein. Unklar ist, wer der dritte Mann auf dem Fahndungsbild ist.

Ibrahim El Bakraouis jüngerer Bruder Khalid (27), ebenfalls Belgier, verübte den Anschlag in der Metro-Station. Wie viele Täter und Hintermänner insgesamt an den Anschlägen beteiligt waren, ist noch offen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft fandet man nach einer ganzen "Reihe von Personen", Zahlen und Namen nannte Staatsanwaltschaft Van Leeuw keine. Am Mittwochabend gab der türkische Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bekannt, die Türkei hätte die belgischen Sicherheitsbehörden bereits im Juli vergangenen Jahres vor einem der Attentäter gewarnt.

WIE VIELE TODESOPFER GIBT ES?

Die Zahlen gehen noch durcheinander. Am Tag danach sind noch längst nicht alle Opfer identifiziert. Die belgischen Behörden sprechen jetzt von mindestens 31 Toten - drei weniger als am Tag zuvor - und mehr als 270 Verletzten. Unter den Verletzten sind auch mehrere Deutsche, darunter ein schwer verletzter Mann. Das Auswärtige Amt schließt nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Nach belgischen Angaben kommen die Opfer aus etwa 40 Nationen. Befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Vermutlich wird es noch Tage dauern, bis Gewissheit besteht.

GIBT ES EINEN ZUSAMMENHANG ZUM TERROR IN PARIS?

Dafür gibt es viele Indizien: der Ablauf, der Sprengstoff, die Tatorte. Und auch das, was man über die Täter weiß. Einer der beiden Brüder - Khalid - soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde. An der Adresse im Stadtteil Schaerbeek, wo der Taxifahrer das Flughafen-Trio abgeholt hatte, wurden 15 Kilogramm hochexplosives Azetonperoxid (TATP), ein Koffer mit Nägeln und Schrauben, sowie weiteres Material für den Bombenbau gefunden.

Laachraoui soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmaßliche Beteiligte der Pariser Anschläge.

HAT SICH DIE LAGE IN BELGIEN BERUHIGT?

Weiterhin gilt Terrorstufe 4 - die höchstmögliche. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert. Um 12.00 Uhr gab es eine Schweigeminute. Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer. Die Flaggen wehen auf halbmast. Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall noch bis einschließlich Freitag geschlossen. Das für Dienstag geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal wurde aus Sicherheitsgründen zunächst abgesagt, soll jetzt aber doch am kommenden Dienstag im portugiesischen Leiria ausgetragen werden.© dpa