Im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von Brüssel ist in Italien ein Algerier festgenommen worden - er soll Pässe für die Attentäter gefälscht haben. Weitere Verdächtige sind noch auf der Flucht.

Italiens Polizei hat einen in Belgien gesuchten Algerier mit mutmaßlichen Verbindungen zu den Verantwortlichen der Terroranschläge von Brüssel und Paris gefasst. Der Mann gehöre zu einer Bande von Passfälschern, die mit den Attentätern in Verbindung gestanden habe, teilte die italienische Polizei mit.

Die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, der Mann sei am Samstag im süditalienischen Salerno festgenommen und zuvor von den belgischen Behörden mit einem europäischen Haftbefehl gesucht worden. Demnach soll die Passfälscher-Bande Dokumente produziert haben, die von den Attentätern der Anschläge in Brüssel am vergangenen Dienstag und in Paris im November genutzt wurden.

Wie eng die Verbindungen zwischen den Anschlägen in Paris und Brüssel sind.

Der Name des Algeriers sei erstmals 2015 bei Durchsuchungen in Brüssel aufgetaucht, berichtete die Ansa. Demzufolge sollen mindestens einer der Attentäter in Brüssel, einer der Angreifer von Paris sowie der inzwischen festgenommene Terrorverdächtige Salah Abdeslam Papiere genutzt haben, die von der Bande gefälscht worden waren.

Razzia in Fälscherwerkstatt

Laut italienischen Medien handelt es sich bei dem Festgenommenen um den 40-jährigen Djamal Eddine O. Er sei ins Visier der Sicherheitsbehörden des Landes geratAlgerien, als seine Aufenthaltsgenehmigung geprüft worden sei. Demnach war nach einem Mann seines Namens bereits seit Anfang Januar gesucht worden. O. soll in den kommenden Tagen an Belgien ausgeliefert werden.

Bei einer Razzia in einer Fälscherwerkstatt in Italien seien zudem Hunderte Digitalfotos gefunden worden, hieß es in den Berichten. Darunter seien Aufnahmen von drei Männern gewesen, welche die Attentate von Paris am 13. November geplant hatten. Auch ein Foto des Brüsseler Attentäters Najim Laachraoui wurde demnach entdeckt.

Am Dienstag hatten sich zwei Attentäter am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt, darunter Laachraoui. Rund eine Stunde später verübte ein weiterer Angreifer einen Selbstmordanschlag in einer U-Bahnstation.

Insgesamt wurden 31 Menschen getötet und etwa 300 weitere verletzt. Bei koordinierten Anschlägen in Paris waren am 13. November 130 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt worden.

Fahndung nach Verdächtigen

Nach den Anschlägen fahnden die Sicherheitsbehörden weiter nach mehreren mutmaßlichen Terrorhelfern. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" sollen sich mindestens acht Verdächtige in Syrien aufhalten oder in Europa auf der Flucht sein. Die meisten davon seien Franzosen und Belgier, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Dem Bericht zufolge zählen die gesuchten Islamisten zu den Kontaktpersonen des mutmaßlichen Drahtziehers der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, und des in Belgien gefassten Terrorhelfers Salah Abdeslam. An der Fahndung sei in Deutschland unter anderem das Bundeskriminalamt (BKA) beteiligt.

Nach Ermittlungsergebnissen aus Frankreich und Belgien soll der mutmaßliche Kopf der europäischen IS-Terrorzellen der Algerier Mohamed Belkaid gewesen sein, der bei einem Polizeieinsatz in Belgien erschossen wurde. Er soll gemeinsam mit Najim Laachraoui, einem Bombenbauer und späteren Brüssel-Attentäter, die Terrorkommandos bei den Pariser Attentaten von Belgien aus per Telefon angeleitet und koordiniert haben, heißt es in dem Bericht weiter.

"Marsch gegen die Angst" in Brüssel abgesagt

Laut der belgischen Zeitung "Le Soir" ist der dritte Attentäter vom Brüsseler Flughafen längst gefasst. Der in der Nacht zum Freitag festgenommene Fayçal C. sei von jenem Taxifahrer identifiziert worden, der das Terrorkommando zum Flughafen brachte. Eine offizielle Bestätigung gab es bislang nicht.

Wie der Sender RTBF berichtete, wird noch auf das Ergebnis einer DNA-Analyse gewartet. Gegen Fayçal C. wurde Haftbefehl erlassen wegen Beteiligung an terroristischen Morden. Waffen oder Sprengstoff waren bei ihm nicht gefunden worden.

Nach den Razzien in Brüssel vom Donnerstag und Freitag sitzen weiterhin mehrere Verdächtige im Gefängnis. Neben Fayçal C. wurden gegen zwei weitere Verdächtige, die am Freitag bei Razzien festgenommen worden waren, Haftbefehle wegen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten erlassen.

Die Sicherheitslage in Belgien ist weiterhin angespannt. Ein für diesen Sonntag geplanter "Marsch gegen die Angst" in Brüssel wurde abgesagt, da die Polizei mit laufenden Ermittlungen ausgelastet ist.© SPIEGEL ONLINE