Nach den Terroranschlägen von Brüssel gibt es in den sozialen Medien weltweit Beileidsbekundungen. Ein Umstand, der in Deutschland Frauke Petry auf den Plan ruft. Die AfD-Vorsitzende attackiert die Anteilnahme mit Spott und bissigem Zynismus und beruft sich ausgerechnet auf die "Identität als freiheitlich aufgeklärte Europäer". Das klingt nach ungewollter Ironie.

Bei den Terroranschlägen vom 22. März in Belgiens Hauptstadt Brüssel starben mindestens 34 Menschen bei Bombenexplosionen am Flughafen und in der Metro, über 220 wurden verletzt.

Weltweit ist die Anteilnahme groß. In Deutschland ordnete Innenminister Thomas de Maizière für Bundesbehörden Trauerbeflaggung an – die Fahnen auf Halbmast.

Bestürzung und Trauer über Terror in Brüssel

"Lassen Sie mich für die Bundesregierung und für mich persönlich unsere tiefe Bestürzung und Trauer darüber ausdrücken, was Terroristen den Menschen in Brüssel heute angetan haben", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach den Anschlägen, für die der sogenannte "Islamische Staat" die Verantwortung übernahm.

Die Täter bezeichnete Angela Merkel als "Feinde aller Werte, für die Europa heute steht". Der blinde Terror gelte "der Freiheit, der Demokratie, des friedlichen Zusammenlebens" aller in Europa.

Es war die emotionale Bewertung einer mörderischen Sinnlosigkeit, die viele Menschen nach den Angriffen in Brüssel teilten.

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Belgien und der islamistische Terror - eine Chronologie

Warum ausgerechnet Brüssel? Belgien befindet sich bereits seit längerem im Visier islamistischer Terroristen. Ein Rückblick auf Vorfälle und Fakten.

So gibt es in den sozialen Medien auf Twitter und Facebook wie schon nach den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 vielfältige Solidaritätsbekundungen. Ein Umstand, der in Deutschland Frauke Petry auf den Plan rief.

Die AfD-Vorsitzende verhöhnt ihrerseits auf Facebook die Beileidsbekundungen mit unmissverständlichen Worten.

Fraucke Petry nach Brüssel: "Ihr Heuchler!"

Den Nutzern des Hashtags #JeSuisBrussels rät Petry zu #IchbinWelt, damit sie "ihre nutzlosen Bilder nicht immer austauschen müssen". Denn dieser Hashtag "passt immer und vor allem immer öfter, ihr Heuchler!", spottet die AfD-Chefin.

Natürlich entspringen derartige Reaktionen in den sozialen Medien massendynamischen Reflexen, ehrliche Anteilnahme und Betroffenheit sollte man ihnen aber ebenso wenig absprechen, wie den Wunsch, Solidarität mit den Opfern zu bekunden.

Man muss diese digitale Ausdrucksform nicht mögen. Doch erscheint es im Augenblick der Katastrophe weitaus verwerflicher, die menschlichen Dramen und Schicksale umgehend politisch auszuschlachten.

Frauke Petry tut genau das. Zwar erklärt sie "bei aller Wut und Trauer" man sei mit den Gedanken "bei den Opfern und deren Angehörigen dieses sinnlosen Anschlags" - um diesen Anschlag dann umgehend politisch zu instrumentalisieren:

"Der Traum vom bunten Europa ist kaputt, weggebombt zum wiederholten Mal! Akzeptiert es endlich! Zeit für Veränderungen!"

Die Dringlichkeit einer effektiveren Vernetzung europäischer Sicherheitsbehörden ist spätestens nach den möglicherweise vermeidbaren Terroranschlägen von Paris und Brüssel unbestritten.

Doch wird dies vor allem über effizientere Kommunikationskanäle und Datentransfers auf Grundlage rechtsstaatlicher Standards innerhalb Europas erreicht, nicht mit einer generellen Stigmatisierung von Menschen nach Herkunft und Religion.

Cartoons, Flaggen oder Rosen: Alle sind ganz bei den Belgiern.

Frauke Petry will "Treiben ein Ende setzen"

Die AfD sei fest entschlossen, diese Veränderung herbeizuführen und "diesem Treiben ein Ende zu setzen!", droht Petry und verweist mit ungewollter Ironie auf "unsere Identität als freiheitlich aufgeklärte Europäer."

Dabei stehen gerade grenzenlose Freiheitlichkeit und ethische Aufgeklärtheit in hartem Kontrast zur repressiven Abschottungspolitik der AfD. Für komplexe Probleme sind die einfachsten Lösungen nun mal nicht immer auch die besten.

Geschlossene Grenzen und Schusswaffen-Debatte, Rassentheorie, Nationalismus - diese Alternative für Deutschland, das hat sie in Wort und Schrift ausreichend bewiesen, bietet auch angesichts der islamistischen Terrordoktrin eher keine sinnvolle Alternative zu einem freien und aufgeklärten Europa.

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