Eine Serie von Terroranschlägen hat am Dienstagvormittag die belgische Hauptstadt Brüssel erschüttert. Bei mehreren Explosionen im Flughafen Zaventem und der Brüsseler Metro kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Was wir zu den Terrorakten bisher wissen, haben wir hier für Sie im Überblick zusammengefasst.

Wann und wo ereigneten sich die Anschläge?

Die ersten beiden Explosionen ereigneten sich gegen 8:00 Uhr in der Abflughalle des Flughafens in der Gemeinde Zaventem im Norden Brüssels.

Um 09:11 Uhr kam es zu einer weiteren Explosion in der Brüsseler Metro-Station Maelbeek im EU-Viertel. Sie wurde in einer gerade eingefahrenen U-Bahn ausgelöst. Bilder vom Tatort zeigten einen völlig zerstörten Wagen.

Noch am Vormittag machte die Nachricht von einem weiteren Anschlag nahe der Rue de la Loi, ganz in der Nähe der U-Bahnstation Maelbeek, die Runde. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Polizei einen verdächtigen Gegenstand gesprengt hatte.

Alle Infos zu den Terroranschlägen in Brüssel im Live-Ticker

Wie viele Menschen kamen ums Leben?

Nach offiziellen Schätzungen kamen am Flughafen etwa zehn Menschen ums Leben, an der Metrostation ungefähr zwanzig. Die genaue Zahl der Opfer stehe aber noch nicht fest.

Insgesamt seien etwa 230 Menschen verletzt worden. Das nationale Krisenzentrum veröffentlichte die Zahlen am Dienstag. Etwa 100 Menschen wurden demnach am Flughafen Zaventem verletzt, weitere 130 bei der Explosion in der Metrostation Maelbeek.

Informationen über Nationalität beziehungsweise Identität der Opfer gibt es bislang nicht.

Diese Personen stehen ganz oben auf der Liste der Verdächtigen.

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Der Sender N-TV meldete am Nachmittag, dass sich der sogenannte "Islamische Staat" (IS) zu den Anschlägen bekannte.

Alles deutet auch darauf hin, dass auch diese Terrorserie einen islamistischen Hintergrund hat. Erst am Freitag war in Brüssel einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris festgenommen worden, Salah Abdeslam.

Seither rechneten Experten mit neuen Aktionen aus seinem Umfeld. Der Terrorexperte Peter R. Neumann vom Londoner King's College sagte am Wochenende: "Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Uns stehen wahrscheinlich ähnliche Anschläge noch bevor."

Die Suche nach weiteren Tätern läuft auf Hochtouren. An verschiedenen Orten in Brüssel gibt es wieder Razzien. Belgiens Außenminister Didier Reynders bestätigt: "Wir fürchten, dass Leute noch auf freiem Fuß sind."

Gesucht wird auch nach zwei Komplizen Abdeslams. Die Staatsanwaltschaft äußert sich wegen der laufenden Ermittlungen zurückhaltend.

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Anschlag in Brüssel: Explosionen an Flughafen und Metro

Mehrere Tote und Verletzte nach Terroranschlägen auf Flughafen und Metro.

Alles deutet darauf hin, dass die Terrorserie einen islamistischen Hintergrund hat. Erst am Freitag war in Brüssel einer der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge vom November in Paris festgenommen worden, der 26 Jahre alte Salah Abdeslam. Experten rechneten seither mit Vergeltungsaktionen.

In Belgien läuft die Suche nach möglicherweise noch flüchtigen Terroristen auf vollen Touren. In den Medien kursierten Zahlen, wonach bis zu 30 Verdächtige auf freiem Fuß seien.

Wie sieht es an den Terror-Tatorten aus?

Die ersten Bilder erschienen in den sozialen Netzwerken. Sie zeigten eine völlig zerstörte Flughafen-Fassade und in Panik flüchtende Menschen. "Keiner wusste, was passiert. Es herrschte totale Verwirrung", sagte eine Augenzeugin der Nachrichtenagentur AFP. Wer sich noch im Gebäude befand, wurde aufgefordert, dies so schnell wie möglich zu verlassen.

Die Zufahrtswege zum Flughafen wurden gesperrt, um den Weg für die Rettungskräfte frei zu machen. Züge und Flüge in Richtung des Brüsseler Flughafens wurden gestoppt. Der regionale Katastrophenplan wurde ausgelöst.

Nach den Anschlägen von Brüssel, bei denen viele Menschen ums Leben kamen, herrscht bislang Unklarheit über Identität der Opfer. Wer nach Angehörigen sucht, kann sich an eine der neu eingerichteten Krisen-Hotlines wenden.

Wie ist die Lage in Brüssel?

Der Zugverkehr in Brüssel soll ab 16:00 Uhr wieder weitgehend normal funktionieren. Das meldete die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die Betreibergesellschaft SNCB.

Ausgenommen seien die Bahnhöfe Schuman und Luxemburg im EU-Viertel. Schuman befindet sich nahe der Metrostation Maelbeek, in der sich eine der beiden Explosionen ereignete.

Der Bahnhof Luxembourg ist unmittelbar am Europaparlament. Auch der Bahnhof am Flughafen Zaventem, wo eine Explosion ebenfalls zu Toten führte, bleibt vorerst geschlossen. Die Brüsseler Autotunnel öffneten derweil wieder, meldete der Sender VRT.

Das müssen Reisende nach den Explosionen in Brüssel wissen.

Auch die Sicherheitsmaßnahmen für Belgiens beide Atomkraftwerke wurden verstärkt Das belgische Krisenzentrum empfahl allen: "Bleiben Sie, wo sie gerade sind!" Für ganz Belgien gilt die höchste Terrorwarnstufe.

Soldaten mit Maschinengewehren patrouillierten am Dienstag wieder in Brüssels Straßen - seit den Anschlägen von Paris gehören sie in der EU-Hauptstadt an öffentlichen Orten, in Einkaufszentren, an Bahnhöfen, am Flughafen, in der Metro zum gewohnten Bild.

Das Rote Kreuz rief zu Blutspenden auf. Zugleich war man bemüht, eine Massenpanik zu verhindern.

Damit Überlebende abtransportiert werden können, rief der belgische Taxiverband Febet seine Mitglieder über Twitter dazu auf, Menschen gratis aus den betroffenen Gebieten zu fahren.

Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Die Auswahl der Orte spreche dafür, dass "der terroristische Anschlag nicht nur Belgien galt - sondern unserer Freiheit", sagte Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière am Dienstag.

Explosionen an Flughafen und in Metro: Augenzeugen schildern Chaos.

Deutschland erhöhe seine Sicherheitsmaßnahmen, besonders in Grenzregionen zu Frankreich und Belgien. Informationen zu einem Deutschlandbezug habe man aber im Moment nicht.

Auch an den großen Flughäfen und Bahnhöfen wurden die Sicherheitsmaßnahmen wieder verschärft.

Der Zugverkehr der Deutschen Bahn zwischen Aachen und Brüssel wurde eingestellt, von den Flughäfen Tegel und Schönefeld werden bis auf weiteres keine Maschinen in Richtung belgischer Hauptstadt starten.

Die Bundespolizei verschärfte zudem ihre Kontrollen am Flughafen in Frankfurt. Man beobachte die Situation sehr genau, sagt Sprecher Christian Altenhofen. Die Bundespolizei überwacht die deutsche Außengrenze am Flughafen mit rund 2.500 Beamten. Auch rechnet man damit, umgeleitete Passagierjets aus Brüssel aufzunehmen.

Warum immer wieder Brüssel?

Die belgische Hauptstadt gilt als Zentrum des islamistischen Terrorismus in Europa. Vor allem der Stadtteil Molenbeek mit seinen vielen Einwanderern aus der arabischen Welt hat einen schlechten Ruf.

Von dort kamen neben Salah Abdeslam noch weitere Islamisten, die an Terrorabschlägen beteiligt waren. Bereits eine Woche nach den Anschlägen in Paris hatte es konkrete Gefahrenhinweise für die Region Brüssel gegeben.

Das öffentliche Leben kam damals für fünf Tage zum Erliegen, ohne dass etwas geschah.

Wie reagieren die Behörden?

Für ganz Belgien gilt nun wieder die höchste Terrorwarnstufe - wie zuletzt im November 2015, gleich nach den Anschlägen von Paris. Der Flughafen wird sofort geräumt und dann geschlossen.

Mehr als 1.000 Flüge müssen umgeleitet werden. Alle U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse stehen bis zum Abend still. Auch die Hochgeschwindigkeitszüge fahren nicht mehr.

Der Schutz für die Zentralen von EU und Nato wird nochmals verschärft. Im Atomkraftwerk Tihange werden alle Mitarbeiter, die nicht unbedingt gebraucht werden, nach Hause geschickt.

Das belgische Krisenzentrum empfiehlt: "Bleiben Sie, wo sie gerade sind!" Das Rote Kreuz bittet um Blutspenden. Gebraucht werden vor allem die Blutgruppen A und 0, Rhesusfaktor negativ.

(af mit Material der dpa)

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