Noch ist unklar wer hinter den Terroranschlägen in Brüssel steckt. Für Terrorexperte Rolf Tophoven ist jedoch klar: Es war ein Racheakt auf Salah Abdeslams Festnahme.

Der Terrorexperte Rolf Tophoven sieht die Terroranschläge in Brüssel als direkte Reaktion auf die Festnahme des mutmaßlichen Top-Terroristen Salah Abdeslam.

Abdeslam wurde am 18. März festgenommen.

Er gehe davon aus, dass das Umfeld Abdeslams zeigen wolle, dass es weiter handlungsfähig und nicht operativ geschwächt sei, sagte Tophoven am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Es handele sich um einen "perfekt koordinierten und professionell durchgeführten Anschlag". Das Muster mit mehreren parallelen Zugriffsorten erinnere an die jüngsten Attacken in Paris, zu denen sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt hatte.

Festnahme in Islamistenhochburg Molenbeek

Erst am vergangenen Freitag war Abdeslam bei einem Großeinsatz der Polizei in der als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen worden.

Terrorismus-Experte Rolf Tophoven: "Auch bei uns ist ein Anschlag nicht auzuschließen."

Er ist einer der Hauptverdächtigen für die Anschläge in Paris vor vier Monaten mit 130 Todesopfern.

Tophoven beklagte, es gebe offenbar eine "Terrorschiene zwischen Paris und Brüssel". Brüssel sei ein Unterschlupf für die Vorbereitung der Pariser Attacken gewesen, und die belgischen Sicherheitsbehörden hätten diesen "Hotspot" der Islamistenszene lange vernachlässigt.

Militärische Niederlagen führen zu mehr Terror

Generell sei eine Verschiebung des IS-Terrors zu beobachten, sagte er. Angesichts der punktuellen Niederlagen und Verluste für den IS in Syrien und Irak mache die Terrororganisation zunehmend Einzelaktionen in Europa, um hier Präsenz zu zeigen.

Terroranschlag in Brüssel: Ereignisse des Tages in der Ticker-Nachlese.

Es sei schwer abzuschätzen, ob nach Brüssel nun weitere Attacken in Europa drohten. Wenn der Fahndungsdruck auf die islamistische Szene weiter zunehme - wie nach Anschlägen üblich -, könnten sich einzelne Akteure durchaus in die Enge getrieben fühlen und ihrem Auffliegen zuvorkommen.

"Auch bei uns ist ein Anschlag nicht auszuschließen", sagte Tophoven.

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