Wer steckt hinter dem jüngsten Anschlag von Ankara? Die Regierung will erste Hinweise auf die Hintermänner haben. Einen sehr ähnlichen Anschlag in der türkischen Hauptstadt hat erst vor kurzem eine kurdische Gruppe verübt, die aus der PKK hervorgegangen ist.

Nach dem verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara hat die Suche nach den Hintermännern begonnen. Innenminister Efkan Ala sagte am späten Sonntagabend, es gebe dazu erste Erkenntnisse, die aber erst nach Abschluss der Ermittlungen mitgeteilt würden.

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Beim dritten Anschlag im Zentrum der Hauptstadt Ankara binnen fünf Monaten sind mindestens 37 Menschen getötet worden. Weitere 125 Menschen seien bei dem Autobombenanschlag nahe des belebten Kizilay-Platz verletzt worden, teilte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu am Sonntagabend mit.

Nach Angaben der Behörden hatten ein oder zwei Selbstmordattentäter an einer Bushaltestelle ihr mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug gezündet. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Gegen 18:45 Uhr Ortszeit (17:45 MEZ) wurde der Kizilay-Platz von einer starken Explosion erschüttert. Mehrere Fahrzeuge, darunter auch Busse, brannten vollkommen aus oder wurden beschädigt. Auch benachbarte Geschäfte wurden beschädigt.

Krankenwagen brachten die Verletzten in zehn verschiedene Krankenhäuser. Vier erlagen später ihren Verletzungen, wie Gesundheitsminister Müezzinoglu nach einem Sicherheitstreffen mit Ministerpräsident Ahmet Davutoglu mitteilte.

Bei 19 weiteren Verletzten war der Zustand demnach ernst.

Unklar war zunächst, ob auch Deutsche unter den Opfern waren. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, die deutsche Botschaft stehe mit den türkischen Behörden in engem Kontakt.

Die Nachrichtenlage sei noch "unübersichtlich", doch gebe es bislang "keine Hinweise auf deutsche Opfer".

Polizei riegelt ab

Der Kizilay-Platz wurde von zahlreichen Polizisten abgeriegelt. Hubschrauber flogen über dem Anschlagsort, wie ein AFP-Fotograf berichtete. An dem Platz gibt es zahlreiche Geschäfte sowie eine U-Bahn-Station.

In dem Gebiet liegen zudem das Parlament, der Sitz des Ministerpräsidenten sowie das Botschaftsviertel der türkischen Hauptstadt.

Regierungschef Davutoglu sagte, es gebe "konkrete Informationen über die Terroristengruppe, die hinter dem Attentat steht". Sobald alle Informationen komplett seien, würden diese veröffentlicht.

Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "Anschlag gegen die Einheit unseres Landes und unseres Volkes". Er erklärte, die Regierung werde "niemals ihr Recht zur legitimen Verteidigung gegen die terroristische Bedrohung aufgeben".

Er fügte hinzu: "Die Türkei führt einen entschlossenen Kampf gegen terroristische Organisationen."

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Fotos im Internet verbreitet

Nach dem Anschlag verbot ein Richter in Ankara die Verbreitung von Informationen über den Anschlag im Internet. Vor allem in sozialen Netzwerken waren schnell Fotos und Videos vom Anschlagsort zu sehen gewesen.

Die australische Außenministerin Julie Bishop teilte mit, der australische Botschafer sei dem Anschlag nur knapp entgangen. James Larsen habe sich zum Zeitpunkt der Explosion 20 Meter vom Anschlagsort entfernt in seinem Wagen befunden.

Die US-Botschaft in Ankara hatte am Freitag vor einem Anschlag auf türkische Regierungseinrichtungen in der Hauptstadt gewarnt.

Erst Mitte Februar waren in der Nähe des Kizilay-Platzes bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara 29 Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag hatte sich damals die militante Kurdenorganisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekannt.

Sie kündigte weitere Anschläge an, insbesondere auf bei Touristen beliebte Orten in der Türkei.

Nach zwei Jahren relativer Ruhe war der Kurdenkonflikt in der Türkei im vergangenen Sommer wieder eskaliert.

Türkei von Anschlägen erschüttert

Die türkische Armee geht seit Dezember im Südosten des Landes mit aller Härte gegen mutmaßliche Rebellen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vor. Am Sonntag verhängte sie über zwei weitere Orte im vorwiegend kurdischen Südosten des Landes eine nächtliche Ausgangssperre.

Ebenfalls seit dem Sommer gilt in der Türkei wegen einer Reihe tödlicher Anschläge die höchste Alarmstufe. Vier der Anschläge schrieben die Behörden der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zu. Der schwerste Anschlag ereignete sich am 10. Oktober im Zentrum von Ankara, als zwei Selbstmordattentäter bei einer prokurdischen Demonstration 103 Menschen in den Tod rissen.

Am 12. Januar wurden bei einem Selbstmordanschlag in einem Touristenviertel von Istanbul zwölf deutsche Touristen getötet. (far/AFP/dpa)