Bei einem Anschlag im Stadtteil Sultanahmet in der türkischen Metropole Istanbul gab es mehrere Tote und Verletzte. Unter den Opfern sollen auch Deutsche sein. Offenbar hat sich ein syrischer Selbstmord-Attentäter inmitten einer deutschen Reisegruppe in die Luft gesprengt.

In Istanbul hat sich am Vormittag im Stadtteil Sultanahmet in der Nähe der Blauen Moschee eine schwere Explosion ereignet. Nach übereinstimmenden Medienberichten unter Berufung auf den Gouverneur von Istanbul wurden dabei zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt.

Die türkische Regierungspartei AKP geht davon aus, dass es sich um einen Terroranschlag handelt. Laut Aussage des türkischen Staatspräsidenten Erdogan soll der Anschlag von einem Syrer verübt worden sein. Das sagte er in Ankara bei einer im Fernsehen übertragenen Ansprache.

Steckt der IS hinter dem Anschlag?

Neben München hatte Terrormiliz fünf weitere Orte in Europa im Visier.

Erdogan machte keine spezifische Terrorgruppe für die Tat verantwortlich. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ein Angreifer aus Syrien könnte aber auf den sogenannten "Islamischen Staat" (IS) als Urheber hindeuten.

"Wir verurteilen den gemeinen Anschlag in Sultanahmet", sagte AKP-Sprecher Ömer Celik. "Wir sprechen denen, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus. Den Verletzten wünschen wir schnelle Genesung."

Zu der Explosion kam es offenbar um 10:20 Uhr an dem ägyptischen Obelisken, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Augenzeugen berichteten von einem aufsteigenden Feuerball.

Nach dem Anschlag verhängte die Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der "nationalen Sicherheit" diene.

Offenbar neun Deutsche unter den Opfern

Die Zeitung "Cumhuriyet" berichtete unter Berufung auf einen Reporter in Sultanahmet, der Selbstmordattentäter habe sich in einer deutschen Touristengruppe in die Luft gesprengt.

Die Zeitung "Hürriyet" berichtete in ihrer Online-Ausgabe, unter den Verletzten seien neun Deutsche. Diese würden in insgesamt vier Krankenhäusern behandelt. Zwei weitere Verletzte stammten aus Peru. Der Sender CNN Türk hatte zuvor berichtet, dass in zwei Krankenhäusern insgesamt sechs Deutsche behandelt werden.

Steinmeier: Können deutsche Todesopfer nicht ausschließen

"Wir können auch nicht ausschließen, dass Deutsche unter den Todesopfern sind", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Auch Angela Merkel äußerte sich sehr besorgt nach dem Anschlag: "Wir sind in großer Sorge, dass auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern und Verletzten sein könnten und wahrscheinlich sein werden", sagte sie nach einem Gespräch mit Algeriens Permierminister Abdelmalek Sellal in Berlin.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, dass unter den zehn Toten mehrere Ausländer seien. "Ein großer Teil ist ausländischer Herkunft", sagte er bei einem Pressestatement in Ankara.

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, es sei zu früh, Aussagen darüber zu treffen, ob Deutsche betroffen seien. Das Generalkonsulat in Istanbul bemühe sich mit Hochdruck um Aufklärung und stehe in engem Kontakt mit den türkischen Behörden. Deutsche sind die größte Urlaubergruppe in der Türkei.

Das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Urlaubern "dringend", alle Menschenansammlungen in der Millionenstadt zu meiden. Die Reisehinweise auf der Homepage des Ministeriums wurden entsprechend aktualisiert.

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Mindestens acht Deutsche Opfer - Täter wohl vom IS

Bei Selbstmordattentat kommen Deutsche ums Leben. © dpa

Türkei zuletzt von mehreren Anschlägen erschüttert

In der Türkei waren in den vergangenen Monaten mehrere Anschläge verübt worden. Im Oktober wurden bei einem doppelten Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Ankara 103 Menschen getötet. Der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden wurde dem IS zugeschrieben.

Der IS hatte im vergangenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt. Touristen waren allerdings bislang kein Anschlagsziel. Das könnte sich nun geändert hat.

Im Südosten des Landes läuft außerdem eine Offensive der türkischen Streitkräfte gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die damit gedroht hat, den Konflikt auch in den Westen der Türkei zu tragen. Die PKK greift aber in der Regel staatliche Einrichtungen an und ist bemüht, ihr Verhältnis zu westlichen Ländern zu verbessern.

Am 23. Dezember wurde auf dem Istanbuler Flughafen Sabiha Gökcen bei einem Attentat ein Mensch getötet, zu der Tat bekannte sich die Kurdengruppe TAK. Die Türkei hat seit dem Sommer ihr Vorgehen gegen kurdische Aktivisten deutlich verschärft.

(cai/sw/dpa/afp)