Eine Terrorwarnung in der Silvesternacht hat die Münchner in Atem gehalten. Bahnhöfe wurden gesperrt, die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Nachdem der Terroralarm wieder aufgehoben wurde, sind noch immer mehr als 100 zusätzliche Polizisten in der Stadt präsent. Wie groß ist die aktuelle Gefahr?

Die Ermittlungen bei der Polizei München laufen nach der Terrorwarnung in der Silvesternacht auf Hochtouren. Derzeit geht die Polizei rund 100 Hinweisen aus der Bevölkerung nach, wie uns ein Sprecher mitteilte. Die Auswertung dauert nach Angaben der Polizei noch an.

"Abstrakte Gefährdung"

Die Gefährdungslage sei wieder auf dem Stand von vor Silvester. Der Polizeisprecher sprach von einer "abstrakten Gefährdung, wie sie derzeit für ganz Europa gilt". Konkrete Hinweise auf eine Terrorgefahr gäbe es derzeit nicht.

Fragen und Antworten nach dem Terroralarm in München.

Auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sprach von einer abstrakten Terrorgefahr. "Deshalb sind alle Sicherheitsbehörden hellwach", betonte der Minister im ZDF-"Morgenmagazin. In München sind aus diesem Grund derzeit noch rund 100 zusätzliche Beamte im Einsatz, wie uns ein Polizeisprecher bestätigte.

Besonders große und stark frequentierte Plätze sollen nach Medienberichten unter Beobachtung stehen. Dies wollte uns der Polizeisprecher allerdings nicht bestätigen. Wo die Polizisten im Einsatz sind, werde aus taktischen Gründen nicht bekanntgegeben. Wie lange sie im Einsatz sein werden, ist nicht bekannt.

Erste Hinweise kamen von einem Iraker

Die Polizei fahndet intensiv nach islamistischen Extremisten. Unklar blieb bisher, wie real der Hintergrund für die Terrorwarnungen war. Auch bei der Fahndung nach den Namen der potentiellen Gefährder habe es noch keine neuen Erkenntnisse gegeben.

Der Bayerische Rundfunk und der Südwestrundfunk hatten am Sonntag berichtet, die ersten Hinweise auf einen Terroranschlag in München seien vor Weihnachten von einem Iraker gekommen.

Er habe den Sicherheitsbehörden als Anschlagziel den Münchner Nahverkehr und als Zeitpunkt die Tage um das Dreikönigsfest am 6. Januar genannt sowie sieben arabische "Allerweltsnamen".

Eine mögliche Gefährdung um den Dreikönigstag wurde inzwischen vom bayerischen Innenminister relativiert. "Es gibt keine konkreten Hinweise auf den 6. Januar", sagte Joachim Herrmann im ZDF-"Morgenmagazin.

Ermittlungen führten nicht weiter

"Wir gehen den Hinweisen, die zu den Terrorwarnungen geführt haben, zusammen mit der Polizei nach", sagte der Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft, Peter Preuß, am Sonntag.

Bekannt ist, dass auch der Bundesnachrichtendienst den Hinweisgeber im Irak befragt hatte. Die beiden Sender berichteten weiter, die eingeschaltete bayerische Polizei habe ermittelt, die Männer jedoch nicht finden können.

Auch eine Recherche über die internationalen Polizeibehörden Interpol und Europol habe nicht weitergeführt – obwohl polizeiintern mehr als hundert Hinweise eingegangen seien, aber keiner bezüglich Deutschland.

Die Durchsuchungen zweier Wohnungen in einem Münchner Apartmenthotel, das zu den Beschreibungen des Irakers gepasst habe, hätten am 30. Dezember nichts erbracht.

Der Terroralarm machte Silvester in München zu einer Nacht der Verunsicherung. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse sind dünn, deuten aber auf den IS hin. Erste Hinweise auf Anschlagspläne gab es wohl schon vor Weihnachten. Der Überblick.

Konkrete Hinweise aus Frankreich

Als an Silvester ein konkreterer Hinweis aus Frankreich das Bundeskriminalamt erreicht habe, sei der Terroralarm ausgelöst worden, berichteten die Sender.

Dieser Alarm habe sich auf den Silvesterabend und den Hauptbahnhof und/oder den Bahnhof im Stadtteil Pasing sowie auf ebenfalls sieben Personen bezogen. Die Namen seien aber nur teilweise bekannt gewesen und hätten sich von denen des Tippgebers unterschieden.

Daraufhin hatte die Polizei in der Silvesternacht die Bahnhöfe geräumt und die Bevölkerung gewarnt. 100 bis 200 Beamte waren am Wochenende zusätzlich im Dienst. Die Lage in der bayerischen Landeshauptstadt blieb aber entspannt, die Innenstadt war belebt.

Hinweise von befreundeten Geheimdiensten

Vorausgegangen waren auch Hinweise befreundeter Geheimdienste. Ihnen zufolge bestand der konkrete Verdacht, dass fünf bis sieben Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gegen Mitternacht Anschläge wie in Paris verüben wollten.

Trittbrettfahrer festgenommen

Zwei Fehlalarme hielten am Wochenende die Polizei auf Trab. In der Nacht zum Sonntag wurde der Bahnhof Pasing teilweise gesperrt, nachdem ein Sprengstoffhund angeschlagen hatte. Es sei jedoch nichts Verdächtiges gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.

Im oberbayerischen Mammendorf wurde am Samstagabend ein Zug gestoppt und durchsucht. Zuvor hatte nach Angaben der Polizei ein Mann mit einer Bombe gedroht. Die Beamten wurden auch in diesem Fall nicht fündig.

Wie uns die Polizei München auf Nachfrage mitteilte, ist einer der Trittbrettfahrer inzwischen festgenommen worden; nach dem anderen wird noch gefahndet. (far/dpa)

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Terroralarm in München: Der Einsatz in Bildern

Nach der Warnung vor Selbstmordanschlägen von Anhängern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wirkt der Münchner Hauptbahnhof wie aus einer Geisterstadt.