Der Anschlag in Istanbul, bei dem zehn Deutsche starben, trifft das touristische Herz der Stadt. Und es ist erneut ein Anschlag auf Touristen innerhalb weniger Monate. Viele Deutsche sind deswegen verunsichert. Wie können sie sich im Urlaub schützen?

Innenminister de Maizière macht sich persönlich Bild der Lage in Istanbul.

Urlauber im Visier: Die neue Strategie verschafft Islamisten doppelten Erfolg: Zum einen treffen sie dabei Bürger aus Staaten, die direkt oder indirekt gegen sie kämpfen – wie bei dem Absturz eines russischen Flugzeugs im Oktober 2015. Die Passagiere hatten zuvor im ägyptischen Scharm el-Scheich Urlaub gemacht.

Zum anderen treffen sie einen der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren vieler Mittelmeerländer und schwächen damit deren Regierungen: Wenn Touristen ausbleiben, verlieren viele Menschen vor Ort ihre Lebensgrundlage – wie in Tunesien seit den Anschlägen in Tunis und Sousse im vergangenen Jahr.

Welche Folgen hat der Terror für deutsche Urlauber?

Der Terror von Istanbul fällt in eine Zeit, in der viele Menschen ihren Urlaub für das Jahr planen. Je trister der Winter, desto größer werden die Sehnsüchte nach Sonne, Strand und Meer. Mehr als zwei Drittel der Urlaubsreisen mit mehr als fünf Tagen Dauer buchen die Deutschen ins Ausland.

MIT hat offenbar mit Attentat auf Touristen gerechnet.

Die Türkei gehörte dabei in den vergangenen Jahren zu den beliebtesten Urlaubsländern der Deutschen. 2015 konnte der Deutsche Reiseverband (DRV) hier einen Umsatzzuwachs von 4 Prozent verzeichnen.

Wird sich der Terror von Istanbul auf den Tourismus in der Türkei auswirken? "Kurzfristig wird dies sicher passieren", meint Jürgen Schmude, Professor für Tourismuswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Frage sei aber, wie es in der Türkei weitergeht: "Wenn es weitere Anschläge gibt, hat das einen schwerwiegenden Einfluss."

Urlaubsziele sind austauschbar

Die Forschung zeige, dass die Frequenz solcher Ereignisse entscheidend sei. "Der Tourist an sich vergisst schnell", führt Schmude aus. Aber je öfter Anschläge passieren, desto eher bleiben sie im Gedächtnis. Auch Naturkatastrophen werden von Urlaubern generell leichter "verziehen" als durch Menschen verursachte Katastrophen wie eben Anschläge.

Reiseveranstalter müssen sich an die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes halten. Wird von dort eine offizielle Warnung ausgesprochen, dürfen Urlauber ihre Reisen kostenlos umbuchen oder stornieren lassen. Zudem seien die Unternehmen oft kulant, sagt Schmude: "Viele Reiseveranstalter sind auch vorher schon zu Umbuchungen bereit."

Bei diesen Fluggesellschaften gibt es die wenigsten Zwischenfälle.

Der Tourismus-Experte rechnet damit, dass die Deutschen weiter reisefreudig bleiben, aber nun auf andere Urlaubsregionen ausweichen. "Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass gerade die Warmwasser-Reiseziele austauschbar sind." Sonnenliebhaber könnten zum Beispiel Entspannung nun eher in Spanien oder Portugal suchen.

Reiseveranstalter sind inzwischen auch Krisenmanager

Krisenmanagement ist für Reiseveranstalter inzwischen immer wichtiger geworden. Gerade die großen Reiseveranstalter haben sich darauf eingerichtet und erhalten dafür international Lob. So hat Tui erst kürzlich ein Krisenzentrum eröffnet, um auf kurzfristige Ereignisse besser reagieren zu können.

Generell gilt: Urlauber sollten die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu ihrem Reiseland beachten. Deutsche Touristen sollten sich vor Ort immer vorsichtig verhalten, Menschenansammlungen meiden, lokale Medien verfolgen und verdächtige Vorgänge den Sicherheitsbehörden melden, rät das Auswärtige Amt.

Auch wenn das weltweite Terror-Risiko zugenommen hat, werden die meisten Anschläge immer noch in Konfliktregionen verübt, vor allem Irak, Syrien, Afghanistan, Nigeria und Pakistan. "Die Gefahr, Opfer eines Anschlages zu werden, ist im Vergleich zu anderen Risiken, die Reisen ins Ausland mit sich bringen, wie Unfällen, Erkrankungen oder gewöhnlicher Kriminalität, nach wie vor vergleichsweise gering", sagt auch das Auswärtige Amt.

Die friedlichsten Länder der Welt

Wenn die Natur Baumeister spielt, stockt dem Menschen der Atem.

Wer so sicher wie möglich ins Ausland reisen will, kann sich am Global Peace Index des "Institute for Economics and Politics" orientieren. In der Liste mit 162 Ländern werden Faktoren wie Terrorismus, Kriminalität, politische Stabilität und der Grad der Militarisierung einberechnet.

Das friedlichste Land der Welt ist demnach Island, gefolgt von Dänemark und Österreich. Die vordersten Plätze werden überhaupt von Europa dominiert, unter den Top 25 sind 18 europäische Länder. Deutschland liegt auf Platz 16.

Wen es weiter in die Ferne zieht, dem sei Neuseeland (Platz vier), Kanada (Platz sieben), Japan (Platz acht), Australien (Platz neun) und Bhutan (Platz 18) empfohlen.