Die Polizei kommt einer mutmaßlichen Terrorzelle auf die Schliche und will nun ein aufschlussreiches Foto präsentieren. Angeblich zeigt es den Hauptverdächtigen in Kampfmontur neben Leichen. Offenbar stand er sowohl in Kontakt zu den Pariser Attentätern als auch zu ranghohen IS-Mitgliedern.

Nach der Razzia gegen eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle in Deutschland liefern Fotos Hinweise auf die Kampfausbildung eines Verdächtigen in Syrien.

"Die Fotos sind ein Grund, warum wir den Hinweis besonders ernst genommen haben", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Freitag. Ein Foto belege demnach die militärische Ausbildung eines der Verdächtigen in Syrien. Das Bild soll am Nachmittag veröffentlicht werden.

Zahl verringert sich laut aktuellen Schätzungen deutlich.

Die mutmaßliche Terrorzelle war am Donnerstag bei einer Razzia von Hunderten Polizisten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zerschlagen worden.

Ermittelt wird gegen vier Algerier im Alter zwischen 26 und 49 Jahren wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Es gab drei Festnahmen. Der Hauptverdächtige, der in einer Flüchtlingsunterkunft im Sauerland verhaftet wurde, sollte im Laufe des Freitags einem Haftrichter vorgeführt werden.

Stand der 35-Jährige Algerier mit ranghohen IS-Mitgliedern in Kontakt?

Nach Informationen des "Spiegel" posierte der 35-jährige Hauptverdächtige auf einem der Bilder in "Kampfmontur" neben Leichen. Zudem gebe es ein Foto, das ihn beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter zeige, die für die Pariser Terrorserie im November verantwortlich sein sollen.

Nach Informationen der "Welt" stand er in Kontakt zum IS-Planungschef für Terroranschläge im Ausland und wurde zusammen mit ihm fotografiert.

Wieso die Zahl der Razzien gegen Islamisten steigt.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge reiste der gebürtige Algerier am 28. Dezember mit gefälschtem Pass als syrischer Flüchtling nach Deutschland ein.

"Wir haben bei den Terroranschlägen in Paris vom 13. November gesehen, dass der IS bewusst Terroristen unter den Flüchtlingen einschleusen will und eingeschleust hat", sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen im ZDF-"Morgenmagazin". "Danach haben wir auch wiederholt gesehen, dass Terroristen - man kann sagen camoufliert, verdeckt - als Flüchtlinge eingeschleust werden."

Hinweise auf einen kurzfristig geplanten Anschlag habe der Verfassungsschutz nicht. Es habe aber konkrete Hinweise gegeben, "dass es Leute in Deutschland gibt, die Planungen verfolgen, Anschläge zu begehen", sagte Maaßen.

Offenbar keine konkreten Anschlagsziele ausgekundschaftet

Die Algerier hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft womöglich einen Anschlag in Berlin geplant. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen wurde ihr Vorhaben im Frühstadium durchkreuzt, konkrete Anschlagsziele waren noch nicht ausgekundschaftet.

Medien hatten berichtet, die mutmaßlichen Terroristen hätten einen Terroranschlag am Alexanderplatz oder am "Checkpoint Charlie" geplant. "Das ist etwas, was wir überhaupt nicht bestätigen können - weder was den "Alex" betrifft, noch was den "Checkpoint Charlie" betrifft", sagte Henkel dazu - und: "Ein bisschen Zurückhaltung in der Frage wäre angebracht - statt Hysterie."

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Terrorverdächtige möglicherweise gezielt von IS geschickt

© dpa

"Zum Glück gibt es wohl offensichtlich keine Hinweise auf konkrete Gefahren in unserer Stadt", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag in einer Fragestunde im RBB-Rundfunk. "Insofern bleibt es bei der Sensibilität, die wir ja leider schon seit einigen Monaten haben müssen aufgrund der internationalen Vorfälle."

Eine Verbindung zu den Terrorwarnungen an Silvester in München oder zur Absage eines Fußball-Länderspiels in Hannover im November sei derzeit nicht zu erkennen, hieß es in Sicherheitskreisen.

Auch konkrete Hinweise auf geplante Anschläge gegen Karnevalsumzüge gab es bei den Behörden nicht. In Sicherheitskreisen wurde ein solcher Zusammenhang aber auch nicht ausgeschlossen. (cai/she)

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