Kiew (dpa) - Ein Jahr nach Beginn der Maidan-Proteste in Kiew hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko der mehr als 100 Toten gedacht. Bei strahlendem Sonnenschein legte er an einem Mahnmal unweit des Unabhängigkeitsplatzes (Maidan) einen Kranz nieder.

Wütende Angehörige getöteter Demonstranten forderten lautstark Aufklärung der Gewalt bei den Kundgebungen vor allem im Frühjahr. "Schande" und "Poroschenko, wo sind die Mörder?", riefen aufgebrachte Zuschauer der Gedenkzeremonie. Poroschenko kündigte später an, alle bei den Maidan-Protesten getöteten Menschen als "Helden der Ukraine" zu ehren. An der Gedenkveranstaltung nahmen auch Ministerpräsident Arseni Jazenjuk und US-Vizepräsident Joe Biden teil.

Am 21. November 2013 hatte die damalige ukrainische Führung ihren proeuropäischen Kurs auf Eis gelegt und sich stärker Russland zugewandt. Dies löste Großdemonstrationen aus, bei denen zwischen Dezember 2013 und Februar 2014 mehr als 100 Menschen getötet wurden.

Die proeuropäischen Sieger der Parlamentswahl von Ende Oktober einigten sich pünktlich zum Jahrestag auf einen Koalitionsvertrag. Das Dokument solle bei der ersten Sitzung der Obersten Rada am kommenden Donnerstag unterschrieben werden, teilte Poroschenkos Partei mit. Fünf prowestliche Kräfte hätten dem Text zugestimmt, darunter auch die neu gegründete Volksfront von Jazenjuk.© dpa