Der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Uwe Barschel hat sich 1987 selbst das Leben genommen. Das bestätigt der damals zuständige Rechtsmediziner erstmals in einem Interview.

Am 11. Oktober wird CDU-Politiker Uwe Barschel tot im Genfer Hotel "Beau Rivage" aufgefunden. Die Schweizer Behörden sprechen von Selbstmord, doch Zweifel bleiben. Diese Zweifel sind nun offenbar ausgeräumt.

Werner Janssen, Professor für Pathologie und Rechtsmedizin, bestätigt in der "Zeit" erstmals, dass es sich beim Barschel-Tod um Suizid gehandelt habe. Janssen war damals Direktor des Hamburger Universitätsinstituts für Rechtsmedizin. Er hatte den Leichnam mit dem Leitenden Oberarzt obduziert.

Rasanter Krimi beleuchtet mysteriösen Tod des CDU-Politikers.

"Es war Suidzid", betont Janssen. "Für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte." Am Ende der lange andauernden Obduktion stand für die Experten fest: Barschel hatte sich mit Medikamentenmissbrauch das Leben genommen.

Im Protokoll wurde festgehalten, dass "eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen [...] angesichts dieser Substanzmengen nicht denkbar [ist]". Es gebe auch "keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang."

Für Aufregung hatte damals ein Hämatom gesorgt, dass im oberen linken Stirnbereich des Leichnams entdeckt wurde. Die Ärzte schlossen Fremdeinwirkung durch einen Schlag aber aus. Es sei viel naheliegender, "dass Barschel sich diese Unterblutung selbst zugezogen hatte, etwa am Türrahmen oder durch Aufstoß am Badewannenrand", so Janssen.

"Der Spiegel" bringt Barschel-Affäre ins Rollen

Die Barschel-Affäre war zu einem der größten politischen Skandale der Bundesrepublik geworden. "Der Spiegel" berichtete am 7. September 1987 im Landtagswahlkampf, SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm sei bespitzelt worden.

Am Tag vor der Wahl schildert "Der Spiegel" eine Schmutzkampagne gegen Engholm. Urheber sei Reiner Pfeiffer, Referent in der Staatskanzlei von CDU-Regierungschef Uwe Barschel. Bei der Wahl verliert die CDU die absolute Mehrheit; es gibt ein Patt.

Mit einem "Ehrenwort" weist Barschel am 18. September alle Vorwürfe zurück - und kündigt eine Woche später seinen Rücktritt an. Nicht einmal einen Monat später wird Barschel tot im Hotel aufgefunden.

Im Februar 1988 kommt ein Untersuchungsausschuss zu dem Ergebnis, dass der Anstoß zur Schmutzkampagne gegen Engholm von Barschel kam. (tfr/dpa)

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 08 00/ 11 10 - 111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).