Volker Beck hatte sich nach einem Karriereknick neu profiliert. Jetzt wurde der Grünen-Abgeordnete vermutlich mit Crystal Meth erwischt. Der Vorfall ist fatal - kurz vor wichtigen Wahlen auch für seine Partei.

Seit Mittwoch hat der Bundestag einen neuen Drogenskandal. Polizisten haben beim Abgeordneten Volker Beck eine "betäubungsmittelsuspekte Substanz" gefunden. Laut "Bild"-Zeitung handelt es sich um Crystal Meth, die Staatsanwaltschaft Berlin verweist auf laufende Untersuchungen.

Zwar sollen nur 0,6 Gramm sichergestellt worden sein. Doch selbst solch eine kleine Menge kann politische Karrieren gefährden. Vor allem, wenn die Drogen im Besitz eines Parlamentariers sind. Der Fall erinnert an den des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann, der 2014 wegen des Besitzes von Crystal Meth vom Amt des innenpolitischen Sprechers zurücktrat.

"Betäubungsmittelverdächtige Substanz" bei Grünen-Politiker gefunden.

Der Fall Volker Beck ist doppelt desaströs: Nach einem Karriereknick 2013 hatte sich der Politiker gerade wieder aufgerappelt. Das Drogendebakel könnte seine Laufbahn nun endgültig blockieren. Fatal sind die Schlagzeilen auch für seine eigene Partei, die in elf Tagen bei wichtigen Landtagswahlen punkten will.

Größter Moralapostel der Grünen

Beck ist einer der bekannteren Köpfe der Grünen. Er sitzt seit den Neunzigern im Bundestag, häufig auch in Talkshows. Er gilt neben Claudia Roth wohl als größter Moralapostel seiner Partei, womit er auch in den eigenen Reihen vielen immer wieder auf die Nerven gegangen ist.

Bei den jüngsten Verschärfungen der Asylgesetze stimmte Beck gegen die Linie seiner Fraktion. "Ich möchte diesen Verschärfungen im Bundestag nicht über die Hürde helfen", sagte er im Oktober, als erneut weitere Staaten zu sogenannten sicheren Herkunftsländern erklärt wurden.

Dennoch schätzt man Beck bei den Grünen flügelübergreifend als wichtigen Politiker. Vor allem wegen seines Einsatzes für Schwule und Lesben - und weil er in gewisser Weise zum Inventar der Partei gehört.

Wie Roth könnte man auch Beck eine Grünen-Ikone nennen: Ab 1987 arbeitete er als Referent in der Bundestagsfraktion, seit 1994 ist er selbst Abgeordneter.

Seine Karriere wurde zur Bundestagswahl 2013 allerdings jäh gebremst, nachdem ihm in der Pädophilie-Affäre der Grünen problematische Veröffentlichungen aus den Achtzigerjahren vorgehalten wurden. Der Spiegel hatte Becks Rolle in der Affäre enthüllt.

Der Milliarden-Markt rund um die Droge Marihuana boomt weiter.

Becks Partei landete statt in der Regierung wieder in der Opposition. Statt auf einen Staatssekretärs- oder sogar Ministerposten zu rücken, war er plötzlich nur noch einfacher Abgeordneter: Sein Amt als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion legte Beck nach der Wahl rasch nieder.

Beck hat auch privat schwere Jahre hinter sich. Zunächst starb 2009 sein Lebensgefährte Jacques Teyssier, den er erst ein Jahr zuvor geheiratet hatte, an Krebs. Der französische Unternehmer und Beck waren lange ein Paar gewesen. Dann starb seine Mutter, zu der er ein sehr enges Verhältnis gehabt hatte.

Beck will im Bundestag bleiben

Über die Vorgeschichte des Drogenfunds, etwa über einen womöglich länger anhaltenden Drogenkonsum, kann man derzeit nur spekulieren. Über den Vorfall selbst weiß man immerhin einige Details: Beck wurde am Dienstagabend im Berliner Bezirk Schöneberg, wo der Politiker wohnt, kontrolliert. Er war zu Fuß unterwegs, hatte wenige Stunden vorher noch über seinen Redeauftritt bei der Europäischen Rabbiner-Konferenz getwittert. Unter welchen Umständen die Drogen gefunden wurden, ist unklar. "Er hat sich der Kontrolle nicht widersetzt", heißt es lediglich von der Staatsanwaltschaft.

In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie seine Leute auf die Vorwürfe reagieren. Beck hat angeboten, seine Ämter in der Fraktion niederzulegen, als innen- und religionspolitischer Sprecher und als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe zurückzutreten. Abgeordneter will er bleiben. Drohen weitere Konsequenzen? Wird es andere Aufgaben für Beck geben? Am Mittwoch hielt sich die Fraktionsspitze bedeckt: "Wir werden das Gespräch mit ihm suchen", hieß es.

Die Grünen werden es um jeden Preis vermeiden wollen, mit einem Streit in den eigenen Reihen zusätzliche Aufregung zu provozieren. Am 13. März wird in drei Bundesländern gewählt. In Baden-Württemberg will sich Winfried Kretschmann im Amt des bundesweit einzigen Grünen-Ministerpräsidenten bestätigen lassen.

Intern bezeichnen die Grünen den Termin als "historische Wahl", weil sie damit endgültig beweisen würden, dass sie dauerhaft regieren können. In Umfragen steht die Partei gut da. Doch nun drohen die Berichte über Beck, auch noch gebürtiger Schwabe, der Partei den Wahlkampfendspurt zu vermasseln.

Öffentlich bekundeten am Mittwoch viele politische Weggefährten ihre Solidarität mit Beck: So twitterte etwa sein Fraktionskollege Sven-Christian Kindler: "Respekt für Volker!"© SPIEGEL ONLINE