Sie wurde als Merkels Kronprinzessin gefeiert, jetzt ist Julia Klöckner in Rheinland-Pfalz zum zweiten Mal gescheitert. Und nun? Drei Szenarien, wie es für die CDU-Politikerin weitergehen kann.

Die Sache war eigentlich klar. Noch im Herbst führte Julia Klöckners CDU mit einem fetten Vorsprung in den Umfragen - SPD-Amtsinhaberin Malu Dreyer lag abgeschlagen dahinter. Alles deutete darauf hin, dass Klöckner neue Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz werden würde.

Sie stecken hinter dem Erfolg der Rechtspopulisten in Sachsen-Anhalt.

Ein junges Gesicht, eine, die zupackt und auch mal ihre Meinung sagt, selbst wenn es nicht die Meinung der Kanzlerin ist - das gibt es nicht mehr so oft in der Union. "Hoffnungsträgerin der CDU" nannte man Klöckner deshalb. Oder "Merkels Kronprinzessin". Der Weg schien vorgezeichnet: Erst Staatskanzlei in Mainz, dann Kanzleramt in Berlin. Dachten einige.

Dann kam der Sonntag, die Niederlage. Nur 31,8 Prozent, mehr als vier Punkte hinter der SPD. Und deutlich weniger als 2011. Damals war Klöckner schon einmal gescheitert.

Es ist ein Absturz für Klöckner. Dabei hatten die Strategen der Landespartei alles versucht, sich gegen den Druck von rechts durch die AfD zu wehren: In der Flüchtlingspolitik ging Klöckner immer stärker auf Distanz zur Kanzlerin, sie provozierte mit Gegenkonzepten, hofierte Merkel-Kritiker Horst Seehofer. Haften blieb jedoch das Bild einer zerstrittenen Union.

Und nun?

Klöckner steht vor den Scherben ihres teilweise überdrehten Wahlkampfes. Am Morgen nach der Niederlage fliegt die 43-Jährige nach Berlin. Sie trifft sich mit den Parteispitzen. Am Abend wird sich die rheinland-pfälzische CDU in Mainz beraten. Es geht dabei natürlich auch um die Frage: Wie geht es weiter für Julia Klöckner?

Drei mögliche Szenarien gehen so:

Karriere in Berlin: Für Klöckner wäre es kein ungewohntes Terrain. Neun Jahre war sie Abgeordnete im Bundestag, von 2009 bis 2011 parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Klöckner ist in Berlin bestens vernetzt, als Merkels Stellvertreterin in der Bundes-CDU sitzt sie im engsten Machtzirkel der Partei.

Sollte sie die nächste Gelegenheit beim Schopfe packen und in die Hauptstadt zurückkehren, dürfte das jedoch nicht ganz einfach werden. Schließlich wäre Klöckner ausgerechnet auf den guten Willen der Kanzlerin angewiesen, die sie im Wahlkampf immer wieder provoziert hatte.

Kanzlerin sei verantwortlich für Wahlniederlagen der Union.

In der Union gehen die Meinungen auseinander. Während die einen Klöckners Anti-Merkel-Kurs heimlich beklatschten, zweifeln andere am politischen Profil der Rheinland-Pfälzerin. Dazu kommt: Während Klöckner bei Parteitagen immer Spitzenergebnisse abräumt, ist sie in Mainz zum zweiten Mal gescheitert. Ein Makel, der ihr noch eine Weile anhaften dürfte.

Oppositionsführerin in Mainz: Klöckner kann Opposition - wenn der Gegner stimmt. Als Kurt Beck noch für die SPD in Mainz regierte, konnte sich die CDU-Politikerin regelrecht austoben. Noch heute erinnern sie sich in der Union gerne an die Zeit, als sich Klöckner mit spürbarer Freude an dem wuchtigen Ministerpräsidenten abarbeitete. Beck ließ sich leicht provozieren und Klöckner stichelte gerne. Sie nannte ihn "König Kurt" und sprach in Skandalzeiten vom "System Beck".

Unterhaltsam war das allemal. Doch seit Malu Dreyer an der Macht ist, tut sich Klöckner schwerer. Gegen die beliebte Landesmutter kommt die CDU mit persönlichen Angriffen nicht an. Klöckner verpasste sich deshalb ein präsidialeres Image. Als sie in der Flüchtlingskrise die Initiative ergreifen wollte, war das jedoch kaum noch aufrecht zu erhalten. Mit dieser Situation müsste Klöckner auch in der kommenden Legislaturperiode klarkommen.

Sollte Klöckner tatsächlich ihre Partei erneut in die Opposition führen, hieße das auch: Sie kann sich einen dritten Anlauf auf das Amt der Ministerpräsidentin vorstellen - trotz Verlierer-Stempels. Generalsekretär Patrick Schnieder sagt, es sei deutlich, "dass die Partei Julia Klöckner trägt und dass da keiner ihr Schuld zumisst an diesem Wahlergebnis, ganz im Gegenteil".

Aus ihrem Umfeld heißt es, Klöckner werde auf jeden Fall Landesvorsitzende bleiben, vermutlich auch Fraktionschefin. Klar ist: Die CDU-Politikerin hat es geschafft, einen chronisch zerstrittenen Landesverband zusammenzuhalten. Und: Es mangelt der Partei an Alternativen.

Regierungsbildungen nach Landtagswahlen werden schwierig.

Ministerin unter Malu Dreyer:

Die CDU hofft, dass Ministerpräsidentin Dreyer kein Bündnis mit FDP und Grünen hinbekommt - und somit auf die Konservativen angewiesen ist. Allerdings: Klöckner ist im Wahlkampf für einen Wechsel angetreten, sie hat sich als "neue Kraft" inszeniert. Sie müsste sich schon ziemlich verrenken, um ihren Wählern zu erklären, dass nun sie selbst Dreyer in der Regierung hält.

Dazu kommt: Als Juniorpartner müsste Klöckner hinter Dreyer ins zweite Glied zurücktreten - das dürfte ihr schwerfallen, zumal ihr in einer solchen Koalition das Schicksal der SPD im Bund droht: Von einer starken Regierungschefin zerrieben. Keine guten Voraussetzungen für eine dritte Kandidatur in fünf Jahren.

Die Union schiebt den Ball nun zunächst ins Feld von Malu Dreyer. Klöckner, so heißt es jetzt, wolle in Ruhe entscheiden.© SPIEGEL ONLINE