Er ist nicht das Liebchen vom Lande, für das ihn manche vielleicht gehalten haben. Baden-Württembergs CDU-Spitzenkandidat Wolf soll den populären Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann verjagen. Seine Chancen sind nicht schlecht.

Auf der bundespolitischen Bühne ist er kaum bekannt. Doch das stört Guido Wolf wenig. "Ich bin einer aus dem Land für das Land", pflegt er zu sagen. Bei der Landtagswahl am 13. März in Baden-Württemberg soll der 54 Jahre alte Jurist die CDU nach fünf Oppositionsjahren wieder an die Regierung führen.

Das ist keine leichte Aufgabe, tritt er doch gegen den populären grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an. Dennoch sind die Chancen nicht schlecht, dass Wolf der nächste Regierungschef wird.

Die Wurzeln des CDU-Spitzenkandidaten liegen in der baden-württembergischen Provinz: Wolf wurde in Weingarten geboren und war mehrere Jahre Landrat des Landkreises Tuttlingen. 2006 zog er als Abgeordneter in den Landtag ein. Von 2011 bis 2015 war er dessen Präsident.

Von da aus brachte sich der verheiratete, aber kinderlose Politiker beharrlich für das Amt des CDU-Spitzenkandidaten in Position. In einer "Ochsentour" durchs Land warb Wolf unermüdlich für sich.

Wolf als Gewinner gegen Strobl

2014 dann die Überraschung: Der einstige Kommunalpolitiker gewann den CDU-Mitgliederentscheid um die Spitzenkandidatur gegen den Landesvorsitzenden und CDU-Bundesvize Thomas Strobl.

Wolf gilt als Vertreter der ländlichen, konservativen CDU - Strobl steht eher für das modernere, städtische Lager.

Wolf ist heute CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag. Doch den Landesvorsitz ließ er bei Strobl. Die einstigen Konkurrenten bilden nun ein Team. Der Mann, der gerne seine Brillen wechselt, gibt sich volksnah und offen, nimmt das politische Tagesgeschäft in Gedichten aufs Korn und spielt gerne mit seinem Nachnamen.

So überreichte er Kanzlerin Angela Merkel beim Bundesparteitag in Karlsruhe einen Plüschwolf - und zog damit den Spott mancher Journalisten auf sich.

Lieblingsbündnis Schwarz-Gelb

Seine Befürworter meinen, dass Wolf landesväterliche Züge besitze und damit Kretschmann zumindest nahekomme. Kritiker führen an, dass Wolf sehr empfindlich und patzig sein könne und sich schwertue mit klaren Haltungen zu hochpolitischen Themen.

So wird ihm nachgesagt, im unionsinternen Streit um die Flüchtlingspolitik eigentlich näher bei CSU-Chef Horst Seehofer als bei Kanzlerin Merkel zu stehen. Doch mit Kritik an der Bundesvorsitzenden hält er sich öffentlich zurück.

Sollte die CDU bei der Landtagswahl stärkste Kraft werden, wonach es derzeit aussieht, will sie das als Regierungsauftrag interpretieren.

Wenn es zum Lieblingsbündnis Schwarz-Gelb nicht reicht, dürften eher die Sozialdemokraten als die Grünen mit der CDU zusammengehen - schon allein wegen des konservativen Profils von Wolf.© dpa