Deutsche Weinkönigin war sie schon. Oppositionsführerin ist sie. Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz will sie werden. Julia Klöckner nutzt dazu auch die Aufmerksamkeit, die sie als Bundes-Vize der CDU und damit Merkel-Stellvertreterin genießt.

Julia Klöckner nimmt im März den zweiten Anlauf auf die Mainzer Staatskanzlei. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und CDU-Bundesvize will die SPD nach einem Vierteljahrhundert an der Macht ablösen.

Landtagswahl Rheinland-Pfalz: Für Dreyer zählt nur ein Sieg.

Die 43-Jährige gibt sich gern volksnah. "Ich komm vom Weingut, bodenständig", sagte sie im Januar bei einem CDU-Empfang.

In ihrem Buch "Zutrauen" schrieb sie: "Ich bin eher der geländegängige Typ. Zwischen Gummistiefeln und Pumps, zwischen humorvollem Weinfest und akribischer Schreibtischarbeit, zwischen Tradition und Moderne."

Klöckner gilt als enge Vertraute von Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel. In der Flüchtlingspolitik hat sich die CDU-Vize ein eigenes Profil zurechtgelegt, mit dem sie sich in etwa zwischen der Kanzlerin und CSU-Chef Horst Seehofer positioniert.

Sie dringt auf ein Burka-Verbot, eine Integrationspflicht per Gesetz und einen Plan "A2" - nicht Plan B - mit Hotspots im Ausland und Grenzzentren in Deutschland. Das soll Merkels angestrebte europäische Lösung zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen ergänzen. Seit 2012 ist sie stellvertretende CDU-Vorsitzende, bei der Wiederwahl 2014 bekam sie das beste Ergebnis aller Merkel-Stellvertreter.

Politische Quereinsteigerin

Klöckner ist Quereinsteigerin. Nach dem Magister in Theologie, Politik und Pädagogik sowie dem Staatsexamen in Sozialkunde und Religion für Lehramt an Gymnasien ging sie in den Journalismus. Als sie 2001 gefragt wurde, ob sie für den Bundestag kandidieren wolle, lehnte sie erst ab, sagte dann aber zu.

Von 2002 bis 2011 saß sie im Bundestag, war zuletzt auch Staatssekretärin im Agrarministerium. Dann wechselte Klöckner nach Mainz, wurde CDU-Landesvorsitzende und Oppositionsführerin im Landtag. Bei der Wahl 2011 war sie Kurt Beck und dessen SPD dicht auf den Fersen, rund 8.000 Stimmen fehlten.

Als Oppositionschefin legt sie den Finger in Wunden der rot-grünen Landesregierung: den millionenschweren Nürburgring-Ausbau mit Insolvenz, den verschuldeten Flughafen Hahn, finanzschwache Kommunen.

Während sie mit Ministerpräsident Beck leidenschaftlich stritt, zeigt sie sich im Umgang mit Regierungschefin Malu Dreyer fast präsidial. Manchmal spricht sie bei Reden im Landtag so viele Punkte an, dass sie fast den roten Faden verliert. Bei Nachfragen zu Initiativen bleibt sie bisweilen auch erst mal im Ungefähren.

Klöckner, die einen Lebensgefährten hat, berichtet in ihrem Buch, dass sie in einer CDU-nahen Familie groß wurde. Als Kind sei sie eher schüchtern gewesen, bekannte sie einmal. Als Teenager gründete sie in ihrer Heimat in Guldental bei Bad Kreuznach einen Jugendarbeitskreis und war Spielführerin - der Damenmannschaft im Tischtennis.

Wenn jemand die Winzertochter darauf reduziert, dass sie schon Deutsche Weinkönigin war, antwortet sie: Ich habe auch Hochschulabschluss und Führerschein.© dpa