Diese Frau will es wissen: Katrin Budde hat den Chefsessel in der Staatskanzlei in Magdeburg fest im Visier. Dort wäre sie die erste Frau. Für den Erfolg greift die SPD-Landesvorsitzende auch zu ungewöhnlichen Mitteln.

Eine Frau als Regierungschefin hat es in Sachsen-Anhalt noch nie gegeben - die SPD-Landesvorsitzende Katrin Budde will das ändern. Dafür würde sich die 50-Jährige auch auf ein Bündnis mit der Linkspartei einlassen.

Im Wahlkampf greift die rhetorisch talentierte Budde besonders ihren Koalitionspartner CDU und dessen Wirtschaftspolitik an. Obwohl für die SPD auch eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU eine Option ist.

Urgestein der Landespolitik

Die verheiratete Mutter von Zwillingstöchtern gilt als ein Urgestein der Landespolitik. Budde wurde in Magdeburg geboren und studierte nach einem Praktikum im Schwermaschinenkombinat Karl Liebknecht SKL 1983/84 in Magdeburg Arbeitsgestaltung.

Im November 1989 gehörte sie zu den Mitbegründern des SPD-Stadtverbandes Magdeburg. Sie zog schon in den ersten Landtag 1990 ein, nachdem sie in ihrem Magdeburger Wahlkreis das Direktmandat errungen hatte.

Regierungserfahrung erwarb sie 2001/2002 als Wirtschaftsministerin in einer von der damaligen PDS tolerierten SPD-Minderheitsregierung.

Als das "Magdeburger Modell" durch eine schwarz-rote Koalition abgelöst wurde, trat die dem linken Flügel der SPD zugeordnete Budde als wirtschaftspolitische Sprecherin ihrer Fraktion in die zweite Reihe.

Personalquerelen und einer Kampfabstimmung

An die Spitze der SPD kam Budde Ende 2009 nach Personalquerelen und einer Kampfabstimmung gegen den damaligen SPD-Chef Holger Hövelmann.

Bei der Landtagswahl 2011 ließ sie noch Finanzminister Jens Bullerjahn den Vortritt als SPD-Spitzenkandidat. Nun will die Parteichefin selbst in die Magdeburger Staatskanzlei einziehen.

Während Bullerjahn noch ein Bündnis mit der Linkspartei ausschloss, lässt die machtbewusste Budde dies ausdrücklich offen. Umfragen zufolge könnte Budde eher Chefin einer rot-roten oder rot-rot-grünen Regierung werden als in einer schwarz-roten Koalition, weil die CDU bislang deutlich vor der SPD liegt.

Budde setzt diesmal aufs Ganze. Sie wolle auch keinen Ministerposten annehmen, wenn die SPD schlechter als die Linkspartei abschneide, hat sie klargemacht.

Sollte die SPD zwischen einem rot-roten Bündnis mit einem linken Regierungschef oder einer schwarz-roten Koalition mit der SPD als Juniorpartner wählen können, soll die Basis entscheiden.

Für den Wahlkampf hält sich Budde mit elektrischer Muskelstimulation (EMS) fit. Die Muskeln werden dabei mit einem Reizstrom stimuliert, erläuterte Budde kurz nach ihrer Nominierung als Spitzenkandidatin. Pro Woche stünden 15 Minuten Kraft- und 30 bis 45 Minuten Ausdauer auf dem Programm. "Das Büro hasst die Tage, da komme ich immer sehr aufgeweckt zurück", sagte Budde.© dpa