Ein Physiker in der Staatskanzlei - Reiner Haseloff führt seit 2011 eine schwarz-rote Koalition in Sachsen-Anhalt an. Sein Politikstil ist nüchtern. In der Flüchtlingspolitik sorgte er aber für einen kleinen Aufreger.

Von der Logik der Physik zu den Fallstricken der Politik - Reiner Haseloff (CDU) hat in Sachsen-Anhalt eine steile Karriere gemacht. Zu DDR-Zeiten war der heute 61-Jährige in der Umweltforschung tätig.

Nach der Wende wurde Haseloff Chef eines Arbeitsamtes und brachte es über Funktionen als Staatssekretär und Wirtschaftsminister bis an die Spitze der Magdeburger Regierung.

Für die Belange des Ostens

Die Sachlichkeit des Physikers und eine gehörige Portion Pragmatismus gehören zum Politikstil Haseloffs. Den Ausstieg aus der Verschuldung - zuletzt waren 21 Milliarden Euro Kredite angehäuft - erklärte er zu einem zentralen Ziel.

Auf Bundesebene kämpft er für die Belange des Ostens. Er ist einer der wenigen noch von der CDU gestellten Ministerpräsidenten. Das Elbe-Hochwasser 2013 mit Milliardenschäden oder der Flüchtlingszuzug waren unvorhersehbare Herausforderungen.

Bei der Vermittlung seiner Politik neigt Haseloff oft zu sehr komplizierten, technokratischen Formulierungen. Schon vor der Wahl hatte der Familienvater versprochen: "Ich werde keinen Tanzunterricht nehmen, ich werde keinen Gesangsunterricht nehmen, ich werde so bleiben wie ich bin."

Bei seinen Mitarbeitern gilt er als harter Arbeiter und Antreiber. "Wir stehen früher auf" - das Landesmotto versucht Haseloff auch selbst auszufüllen. Privat hält er Traditionen hoch - etwa beim weihnachtlichen Familienfest.

Geradliniger Pragmatiker

Politische Geradlinigkeit - das liegt dem verheirateten Katholik und Vater zweiter Söhne trotz allem Pragmatismus am Herzen.

In einer hitzigen Debatte über einen Fördermittelbetrug wies er 2012 eine von der Opposition unterstellte persönliche Verstrickung vehement zurück: "Und jeder von Ihnen weiß, was ich mache und was ich nie mache."

Nur selten gab es solche emotionale Auftritte. Einen weiteren legte er hin, als es um die Kennzeichnung von Polizisten mit Nummern ging. Das lehnte Haseloff vehement ab - es erinnerte ihn zu sehr an das Agieren des totalitären Staatsapparats der DDR.

In Haseloffs Haltung zur Asylpolitik ist parallel mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen und dem Erstarken der AfD eine Verschiebung zu beobachten.

Nach dem Anschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz im Frühjahr 2015 warb er in einer Regierungserklärung um Weltoffenheit und betonte die Chancen der Zuwanderung in dem seit Jahren von Abwanderung geprägten Bundesland.

Im Herbst 2015 forderte er dann in der Debatte um die Begrenzung von Zuwanderung als einer der ersten CDU-Politiker eine "Integrations-Obergrenze". Begründung: Das Land könne nur deutlich weniger Menschen integrieren als zuletzt kamen. Als Zahl nannte er 12.000 Menschen pro Jahr.© dpa