Zwei Anläufe zur Eroberung der Staatskanzlei in Magdeburg hat Wulf Gallert schon hinter sich. Jetzt soll es im dritten gelingen. Für den Linken-Fraktionschef im Landtag gilt: "Das Land hat Probleme - wir sind die Lösung."

Den Titel des ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei kann Wulf Gallert nicht mehr bekommen. Schließlich ist Bodo Ramelow längst Regierungschef in Thüringen. Doch im mittlerweile dritten Anlauf könnte der 52-Jährige immerhin der zweite Linke-Ministerpräsident werden.

Und seine Chancen sind im Laufe der Jahre gestiegen.

Bereits nach der Landtagswahl 2011 hätte es rein rechnerisch für eine rot-rote Koalition unter Gallert gereicht. Doch führende SPD-Politiker hatten ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen.

Damals galt die Wahl eines Linken zum Regierungschef für viele in der SPD Sachsen-Anhalts noch als ein Tabubruch. Heute halten sich die Sozialdemokraten diese Option ausdrücklich offen.

Gallert wurde in Havelberg geboren und absolvierte in Magdeburg eine Ausbildung als Lehrer, die er mit einem Staatsexamen abschloss. Ende der 1980er Jahre studierte er Pädagogik in Leipzig, später dann Politik in Magdeburg. 1990 war er als Lehrer tätig, 1994 leitete er ein Jugendzentrum.

Er sei stark von den Ereignissen in der DDR im Herbst 1989 geprägt worden, sagte er später.

Fraktionsgeschäftsführer der PDS

Gallert war bereits Mitte der 1980er Jahr in die SED eingetreten und kam darüber zunächst zur PDS und dann zur Linkspartei. Nach der Wende war er anfangs in der Kommunalpolitik aktiv, 1994 zog er in den Landtag. Er wurde gleich Fraktionsgeschäftsführer der PDS, die eine Minderheitsregierung unter SPD-Chef Reinhard Höppner tolerierte.

Obwohl dieses "Magdeburger Modell" bundesweit für viele kritische Stimmen sorgte, konnte Gallert als Strippenzieher im Hintergrund für Stabilität in der Regierung sorgen. Heute gilt der pragmatische Linkspolitiker als einer der Väter des "Magdeburger Modells". Erst der Absturz der SPD auf 20,0 Prozent 2002 bedeutete das Ende dieser Konstruktion.

Vordenker der Linken

Im Landtag gilt Gallert als scharfzüngiger Redner und Vordenker. Als Anführer der Opposition und Finanzexperte seiner Partei hielt er der CDU/SPD-Koalition immer wieder Planungsfehler vor, kritisierte den Stellenabbau in der Verwaltung, bei Lehrern oder Polizisten.

Nicht erst seit der Flüchtlingsdebatte prangert er Rassismus in Teilen der Gesellschaft an. "Das Land hat Probleme - wir sind die Lösung", sagte er kämpferisch bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten.

Jetzt will er - am liebsten mit der laut Umfragen etwa gleichstarken SPD als kleinerem Partner - einen Politikwechsel. Dabei gibt sich der verheiratete Vater von zwei Söhnen selbstbewusst. "Sachsen-Anhalt hat eine gute Zukunft, wenn wir die Stellschrauben lösen, die die jetzige Landesregierung festgezogen hat", erklärt er im Wahlkampf.© dpa