Nach diesem Wahlsonntag sind die meisten Beobachter überzeugt: Die AfD wird so schnell nicht mehr weggehen. Wie die Bundestagsparteien damit umgehen werden, ist noch nicht absehbar. Zumindest eines ist klar: Das Schmieden von Koalitionen wird schwieriger - wegen der AfD.

"Wir befinden uns auf der Siegerstraße", ruft Frauke Petry ins Mikrofon. "Frauke, Frauke", jubeln ihre Parteifreunde. Sie sind wie im Taumel. Immer höher klettern die blauen Balken, die den Stimmenanteil der rechtspopulistischen AfD bei den Landtagswahlen im Südwesten und in Sachsen-Anhalt anzeigen.

CDU wird abgestraft - aber wohl nicht wegen des Flüchtlingskurses der Kanzlerin.

Dort ist die AfD zur zweitstärksten Partei geworden. In Baden-Württemberg ist sie die drittstärkste Kraft - noch vor der SPD. Und in Rheinland-Pfalz hat sie auf Anhieb über 10 Prozent der Stimmen eingefahren. Am Ende Ende des Super-Wahlsonntags steht fest. Die AfD sitzt jetzt in 8 von 16 Landesparlamenten - und wird so schnell wohl auch nicht mehr verschwinden.

AfD: Ein Quälgeist, der einfach nicht weggehen will

Die Politiker der etablierten Parteien sind mit der Alternative für Deutschland in den ersten zwei Jahren ihrer Existenz umgegangen wie mit einer leichten Erkältungsgrippe - man ignorierte sie weitgehend und hoffte, dass es bald vorbei sein würde. Doch spätestens nach diesem Wahlsonntag zeigt sich, dass dies voreilig war. Für die Bundestagsparteien hat sich die neue Rechtspartei jetzt zu einem regelrechten Tinnitus entwickeln. Ein Quälgeist, der einfach nicht weggehen will.

Die AfD hat bei diesen Landtagswahlen vom Protest gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rahm abgeschöpft. "Merkel muss weg, Merkel muss weg", rufen die AfD-Mitglieder, während sie gebannt auf die Leinwand starren, auf der die neuesten Ergebnisse angezeigt werden. Über Flüchtlinge redet an diesem Abend niemand.

Baden-Württemberg: Partei überholt CDU und ist erstmals stärkste Kraft.

Nur ein einziges Mal fällt das Wort "Asylchaos", das die Landtagswahlkämpfe dominiert hatte - vor allem in Sachsen-Anhalt. "Ich war im Straßenwahlkampf und es hat sich gelohnt zu kämpfen", sagt ein älterer Mann mit Brille. Er mochte die alte CDU, die Männer-CDU von Roland Koch und Friedrich Merz. Mit der neuen CDU von Angela Merkel kann er nichts anfangen. Die AfD ist seine neue Heimat.

Gemeinsam mit den jüngeren Mitglieder seiner jungen Partei singt er, "Oh, wie ist das schön". Sie stoßen an mit Sekt und schwäbischem Bier. Dass die AfD mit ihrer Wahlparty wegen Drohungen linker Demonstranten in ein Billig-Hotel in einer Plattenbau-Siedlung im Stadtteil Lichtenberg ausweichen musste, ficht die AfD-ler nicht an.

AfD verhindert Koalitionen

Es passt irgendwie auch ganz gut zu ihrem Selbstbild der "verfolgten Unschuld", die sich gegen unfaire politische Gegner und überkritische Journalisten zur Wehr setzt. Politologen sprechen von einer "Wagenburgmentalität". In diese Kerbe haut auch Petry. Sie spricht von einer "Diffamierungskampagne" und ihre Anhänger rufen "jawoll".

Dass das Regieren in den drei Bundesländern jetzt schwieriger wird, weil die AfD so gut abgeschnitten hat, quittieren die Rechten mit einem Achselzucken. "Wichtig ist, dass wir uns als bürgerlich-konservative, patriotische Kraft etabliert haben", sagt Vize-Parteichefin Beatrix von Storch. Sie lächelt Frauke Petry an. Ihre Augen lächeln nicht mit.

In Baden-Württemberg hat die bisher regierende grün-rote Koalition keine Mehrheit mehr, in Rheinland-Pfalz kann Rot-Grün nicht weiterregieren und in Sachsen-Anhalt steht Schwarz-Rot auf der Kippe - weil die AfD so stark ist.

Landtagswahlen verändern politische Landschaft in Deutschland.

Wer nun darauf spekuliert, dass die AfD in absehbarer Zeit an ihren Rivalitäten und inneren Widersprüchen zerbrechen wird, der handelt unbedacht. Denn die Partei schwimmt derzeit auf einer Welle des Erfolges, die ihre Mitglieder euphorisiert. Damit lässt sich so mancher Riss erfolgreich kitten.

"Doch wie geht es jetzt weiter?", wird Frauke Petry gefragt. Ihre Antwort: "Das hängt davon ab, wann sich die anderen Parteien von ihrer fundamentalen Ablehnung der AfD verabschieden." © dpa